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Arzneimittel stoßen in Italien auf stabile Nachfrage

Mailand (12.07.2017) Der italienische Markt für Arzneimittel bleibt trotz stagnierender Nachfrage 2016 interessant. Das liegt zum einen an der demographischen Entwicklung, zum anderen daran, dass der Binnenmarkt immer mehr durch Importe abgedeckt wird. Italienische Hersteller schauen zunehmend ins Ausland und stoßen auf hohe Nachfrage nach hochwertigen Pharmazeutika. Vor allem die Lombardei hat sich zu einem wichtigen internationalen Drehkreuz für große Pharmakonzerne entwickelt.

Der italienische Markt für pharmazeutische Produkte gehört zu den bedeutendsten in Europa. Die Binnennachfrage lag 2016 bei 31,6 Mrd. Euro und kam damit auf das gleiche Niveau wie im Vorjahr. Auch wenn die Nachfrage stockt, bleibt Italien aus diversen Gründen ein interessanter Markt für deutsche Unternehmen.

Die Marktstruktur hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Zwischen 2009 und 2016 sind die Einfuhren um 41% gewachsen. Der Importanteil am Binnenmarkt hat sich in diesem Zeitraum von 61% auf 72% erhöht. Dabei ist Deutschland nach den USA und Belgien das drittwichtigste Lieferland Italiens. Die Schweiz und Frankreich rangieren auf Platz vier bzw. fünf.

Die demographische Entwicklung schafft zusätzliche Chancen auf dem italienischen Markt. Ähnlich wie Deutschland hat Italien mit einer Überalterung der Gesellschaft zu kämpfen. Aufgrund dieser Entwicklung soll die Nachfrage nach Arzneimitteln mittelfristig bestehen bleiben.

Staatsausgaben schrumpfen

Ein Hindernis für die Entwicklung der Nachfrage ist die hohe Staatsverschuldung, die in den letzten Jahren zu einer Reduzierung der öffentlichen Ausgaben für das Gesundheitssystem geführt hat. Der italienische Gesundheitssektor wird nach Angaben der OECD zu 75,5% (2015) von der öffentlichen Hand finanziert. Auch wenn der private Anteil seit einigen Jahren zunimmt, liegt die öffentliche Quote deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder.

Die Finanzierung des öffentlichen Gesundheitssystems erfolgt über Budgetzuweisungen an den nationalen Gesundheitsfonds (Fondo Sanitario Nazionale - FSN), der die Gelder im Rahmen eines Dreijahresprogramms an die Regionen weiterleitet. Die zentralstaatliche Finanzierung kann von den Regionen durch Zuweisungen ergänzt werden. Der regionale Anteil der Finanzierung wird immer wichtiger, was aber dazu führt, dass das Gefälle zwischen den reichen und ärmeren Regionen weiter zunimmt.

Die Pro-Kopf-Ausgaben für Arzneimittel sind in Italien rückläufig und liegen fast ein Drittel unter dem EU-Durchschnitt. Im Jahr 2016 haben Italiener nach Angaben des Branchenverbands Farmindustria 288 Euro pro Person für Arzneimittel ausgegeben. In Deutschland waren es mit 518 Euro fast doppelt so viel. Auch Frankreich (467 Euro), Spanien (369 Euro) und Großbritannien (294 Euro) geben mehr aus als die Italiener. Laut einer Studie der OECD liegen die Preise sowohl in den Apotheken als auch in den Krankenhäusern unter dem europäischen Mittelwert. Der italienischen Pharmaagentur AIFA zufolge liegen die Durchschnittspreise in Deutschland um circa 45% höher als in Italien.

Italien gewinnt als internationales Pharmadrehkreuz an Bedeutung

Die italienische Pharmaindustrie befindet sich derzeit im Aufwind. Italien rangiert gemessen am Produktionswert längst auf Platz zwei in Europa hinter Deutschland, in einzelnen Sparten wie etwa im Contract Manufacturing (Auftragsentwicklung und Produktion) liegt Italien bereits auf Platz eins. Im Jahr 2016 ist die Produktion von Arzneimittel um 2,3% auf 30 Mrd. Euro angestiegen. Die Produktionsvolumina sind zwischen 2009 und 2016 um circa 28% gestiegen. Damit liegt Italien nach Angaben des Branchenverbands nur knapp hinter Deutschland (32 Mrd. Euro), gefolgt von Frankreich (23 Mrd. Euro), dem Vereinigten Königreich (20 Mrd. Euro) und Spanien (16 Mrd. Euro).

Grund für die positive Entwicklung der Branche ist vor allem der Exportboom. Im Jahr 2016 kamen die Branchenausfuhren auf 21 Mrd. Euro. Dies entspricht 71% des Produktionswertes. Zwischen 2009 und 2016 sind die Ausfuhren insgesamt um 75% angestiegen. Das entspricht der schnellsten Wachstumsrate der europäischen Referenzländer, darunter Deutschland, Frankreich und Spanien.

Italienische Hersteller haben nicht nur mehr Waren exportiert, sondern durch ihren hohen Spezialisierungsgrad immer mehr hochwertige Pharmazeutika im Ausland abgesetzt. Das Durchschnittswert der exportierten Güter hat sich seit 2010 um gut 20% erhöht. Im Vergleich: in Deutschland waren es circa 5%, während die Länder der EU-15 kamen auf lediglich 1%.

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