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Brexit Update – Zwei Wochen nach dem Referendum – Wo stehen wir? Wo geht die Reise hin?

London (11.07.2016) - Die politische Unsicherheit ist immer noch hoch, die Finanzmärkte bleiben weiter volatil und zukünftige Investitionsentscheidungen werden hinausgezögert. Unabhängig davon, ob Theresa May oder Andrea Leadsom Premierministerin wird, besteht kein Zweifel, dass das Ergebnis des Referendums von der neuen Regierung umgesetzt und das britische Verhältnis zur Europäischen Union neu definiert werden wird.

Was ebenfalls sicher ist, ist dass sich der bürokratische Aufwand für Unternehmen nach dem Ende der Austrittsverhandlungen in einigen Jahren deutlich erhöhen wird. Derzeit ist es noch zu früh, verlässliche Vorhersagen über das Ausmaß und die Art der zusätzlichen administrativen Anforderungen zu machen (Passporting für den Finanzdienstleistungssektor, Ursprungsregelungen in global operierenden Wertschöpfungsketten, Produktsicherheit und gegenseitige Anerkennung von beruflichen Qualifikationen sind nur einige Felder, in denen Änderungen zu erwarten sind).

Ulrich Hoppe, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, erwartet, „dass über den Sommer vernünftige und pragmatische Ansätze zur Neudefinition des britischen Verhältnisses zu Europa entwickelt werden, denn es liegt im Interesse Großbritanniens und auch der EU, dass der Binnenmarkt zusammengehalten und seine Größe nicht schrumpfen wird.“

Was sind die Optionen? Ein harter Brexit zu WTO-Regelungen oder ein „Soft-Brexit“ mit weiterem Zugang zum Binnenmarkt?

Hoppe hofft, „dass es zu einem ‚Soft-Brexit‘ kommt, welcher den ungehinderten Zugang für britische Firmen zum Binnenmarkt und für europäische Firmen zum britischen Markt aufrecht erhält. Ein solches Verhandlungsergebnis ist am Ende möglich, wenn alle Seiten konstruktiv miteinander verhandeln. Aber damit es zu diesem Ergebnis kommt, muss Großbritannien weiterhin ein gewisses Maß an Arbeitnehmerfreizügigkeit zukünftig zulassen und im Gegenzug muss der Rest von Europa akzeptieren, dass diese, zumindest für einen bestimmten Zeitraum, in Bezug auf Großbritannien gewissen Beschränkungen unterliegen wird. In diesem Zusammenhang sollte nicht vergessen werden,“ gibt er zu bedenken, „dass das Vereinigte Königreich nach der ersten EU-Osterweiterung diese Freizügigkeit gleich eingeführt hat, die überwiegende Mehrheit der EU-Mitglieder diese aber für sieben Jahre massiv beschränkt hat. Im Angesicht der derzeit hohen Zahl von Einwanderern kann argumentiert werden, dass den Briten jetzt im Gegenzug gewisse zeitweise Beschränkungen zustehen. Ob dieses ein gangbarer Weg sein wird, werden die Verhandlungen zeigen, was aber klar sein sollte, ist, dass auf beiden Seiten ein echtes Nachgeben erforderlich ist. Zum Nutzen aller europäischen Länder hoffe ich, dass in diesem für die britische Öffentlichkeit kritischen Bereich eine praktikable Lösung gefunden werden kann.“

EU muss ihre strukturellen Probleme angehen

Was außer Frage steht, ist, dass Großbritannien weiterhin ein offenes Land für Talente bleiben muss, sofern es weiter wirtschaftlich erfolgreich sein möchte. Anderenfalls werden Firmen verstärkt gezwungen sein, an andere offenere Standorte zu ziehen. Die EU muss deshalb ebenfalls ihre strukturellen Probleme angehen, um zu vermeiden, dass manche Firmen Europa nicht ganz in Richtung USA verlassen, da der nordamerikanische Markt gerade in den Zukunftsindustrien häufig als vielversprechender angesehen wird. Es kann nicht in unserem gemeinsamen Interesse liegen, die europäische Wirtschaft durch die Verkleinerung des Binnenmarktes unnötig zu schwächen.

Die Deutsch-Britische Industrie-und Handelskammer wird ihren Mitgliedern und anderen bilateral operierenden Unternehmen zur Seite stehen, den als Folge des Brexits erwarteten Mehraufwand so effizient wie möglich abzuwickeln.

Kontakt:

  • Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer, 16 Buckingham Gate, London SW1E 6LB, Tel: +44 (0)20 7976 4188, Fax: +44 (0)20 7976 4101, www.ahk-london.co.uk