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Deutschen Exporteuren drohen erhebliche Einbußen durch Tenge-Abwertung

Almaty (28.8.2015) - Die kasachische Regierung hat am 20. August 2015 den Wechselkurs des Tenge faktisch freigegeben. Danach wertete die Landeswährung um mehr als ein Viertel gegenüber dem US-Dollar ab. Angesichts niedriger Rohstoffpreise, der Konjunktureintrübung und der gesunkenen Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Firmen gilt die Entscheidung als alternativlos.

Wegen wegbrechender Steuereinnahmen muss Kasachstan in den kommenden Jahren einen strikten Sparkurs fahren. Der Wert der kasachischen Währung soll künftig durch die Marktkräfte bestimmt werden. Zuvor hatte die kasachische Nationalbank den Wechselkurs in einem festen Korridor von 170 bis 198 Tenge je US-Dollar gehalten. Nach Bekanntgabe der Entscheidung brach die kasachische Währung um 26 Prozent von 188 auf 255 Tenge je US-Dollar ein.

Nach Einschätzung von Anna Bodrowa, Analystin beim Analysehaus Alpari, dürfte sich der Wechselkurs künftig bei 200 bis 235 Tenge je US-Dollar einpendeln. Andere Fachleute erwarten dagegen ein weiteres Abrutschen auf bis zu 300 Tenge je US-Dollar - je nach Entwicklung der Rohstoffpreise am Weltmarkt. Allerdings behält sich die Nationalbank das Recht vor, bei Turbulenzen weiterhin ins Marktgeschehen einzugreifen.

Regierung und Nationalbank Kasachstans schlagen mit ihrer Entscheidung einen neuen Kurs in der Geld- und Währungspolitik ein - weg vom Einhalten eines festen Wechselkurskorridors hin zum Ansteuern eines Inflationsziels (Preisstabilität). Damit folgt Kasachstan dem geld- und währungspolitischen Kurs der Russischen Föderation, die den Wechselkurs des Rubels bereits Mitte Dezember 2014 freigegeben hatte.

 

Schon zweite Abwertung

Die Maßnahme vom 20. August ist die zweite Abwertung der kasachischen Währung innerhalb von 18 Monaten. Zuletzt hatte die Nationalbank den Tenge am 11.2.2014 um fast ein Fünftel abrutschen lassen, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Firmen zu stärken. Insgesamt hat der Tenge damit um 45 Prozent an Außenwert verloren.

Nachdem der Effekt der ersten Abwertung wegen des weiteren drastischen Absturzes des Ölpreises und des russischen Rubels ab dem 2. Halbjahr 2014 verpufft war - und die Rohstoffpreise immer weiter zurückgingen, gab es bereits seit längerem Erwartungen einer erneuten Abwertung. Allerdings hatte die Regierung signalisiert, sie wolle den Außenwert des Tenge schrittweise senken. So wurde die Obergrenze des Wechselkurskorridors am 15.7.2015 von 188 auf 198 Tenge je US-Dollar angehoben. Gleichzeitig versicherte Notenbankchef Kairat Kelimbetow, der Tenge werde bis Ende 2015 nicht unter 190 Tenge je US-Dollar fallen.

Rohstoffbaisse und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit erzwingen Abwertung

Mit dem weiteren Fall der Preise für Öl und Metalle seit Juli 2015 und der Aussicht auf voraussichtlich noch längere Zeit niedrige Rohstoffpreise, wurde die Aufrechterhaltung des Wechselkurses für Kasachstan immer kostspieliger und aussichtsloser. Nach den Worten von Staatspräsident Nursultan Nasarbajew hat die Verteidigung des Kurses 2014 und 2015 insgesamt rund 28 Milliarden US-Dollar verschlungen, davon allein 10 Milliarden Dollar seit Anfang 2015. Weil er davon ausgehe, dass die Rohstoffpreise mindestens fünf bis sieben Jahre lang niedrig bleiben werden, gebe es keine Alternative zur Abwertung. Ein Festhalten am Wechselkurskorridor hingegen hätte zum vollständigen Aufzehren der Devisenreserven geführt. Kasachstan müsse sich in den kommenden Jahren auf einen Ölpreis von 30 bis 50 US-Dollar je Barrel einstellen.

Ein weiterer Grund für die Entscheidung der Regierung liegt in der verschlechterten wirtschaftlichen Situation in Kasachstan. Mit dem Einbruch der Rohstoffpreise, der Wirtschaftskrise in Russland und dem Abschwung in der VR China sind die Exporte des Landes im 1. Halbjahr 2015 um 43 Prozent eingebrochen. Dabei entfielen 86,5 Prozent der Ausfuhren auf Öl, Gas, Metalle und Metallwaren. Hatte Kasachstan in den vergangenen Jahren noch von den hohen Rohstoffpreisen profitiert, so wirkt sich die Abhängigkeit von diesem Sektor nun negativ aus.

Deutsche Güter verteuern sich innerhalb von achtzehn Monaten um 45 Prozent

Für deutsche Lieferanten wird die Lage in Kasachstan mit der erneuten Abwertung schwieriger. Ihre Produkte haben sich seit Februar 2014 auf dem kasachischen Markt um 45 Prozent verteuert. Bereits bei der letztjährigen Abwertung hatten deutsche Unternehmen etwa im Bereich Medizintechnik unter dem Kaufkraftrückgang der in Tenge fixierten, staatlichen Budgets gelitten. Um ihre Marktposition nicht zu gefährden, mussten sie große preisliche Zugeständnisse machen. Negativ wird sich die Abwertung auch bei bestehenden Verträgen, die in Tenge fakturiert sind, auswirken, sofern keine Indizierung vorgenommen wurde.

Andererseits könnten sich mit der erwarteten Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der kasachischen Firmen - insbesondere solcher, die Deviseneinnahmen aus dem Export erzielen - neue Lieferchancen ergeben. Insgesamt ist vor dem Hintergrund der Verschlechterung der wirtschaftlichen Aussichten und den zunehmenden Sparmaßnahmen des Staates aber mit einem weiteren Rückgang der deutschen Exporte nach Kasachstan zu rechnen. Nach Angaben von Eurostat sind die Lieferungen im 1. Halbjahr 2015 nominal um 21,4 Prozent auf knapp 650 Millionen Euro gesunken. Besonders stark brach die Ausfuhr von Maschinen und Fahrzeugen ein: um 34,0 Prozent auf rund 304 Millionen Euro. Die Gesamteinfuhr Kasachstans sank im 1. Halbjahr 2015 um fast ein Fünftel.

Dies ist ein Auszug aus einer längeren Meldung, zu dieser geht es hier.

(Quelle: GTAI)