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Die Komoren schaffen keinen Aufschwung

Moroni (24.04.2017) Nach einer umstrittenen Wahl und teilweiser Wiederholung haben sich Wogen der Politik auf den Komoren wieder geglättet. Dies ist schon ein Erfolg nach einer wechselvollen Geschichte mit vielen Staatsstreichen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will es mit neuem Beistand belohnen. Nur wer im Gewürzhandel und mit Duftölen unterwegs ist, kennt die einschlägige Nischenerzeugung der Inselgruppe.

Die Union der Komoren ist ein föderaler Inselstaat im Indischen Ozean mit den Hauptinseln Grand Comore, Anjouan und Mohéli. Die vierte größere Insel des Komorenarchipels, Mayotte, ist ein Übersee-Département Frankreichs und seit dem 1.1.14 auch Teil der Europäischen Union. Die wechselvolle Geschichte seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1975 mit mehr als 20 Putschen und Putschversuchen sowie anhaltenden Sezessionsbestrebungen hält die Entwicklung der Union auf und Investoren fern. Immerhin: Seit 2011 erfreuen sich die Komoren einer Phase relativer, wenngleich fragiler politischer Stabilität.

Gehälter konsumieren Staatsbudget

Amtierender Präsident ist seit Mai 2016 Oberst Azli Assoumani, der schon mal von 1999 bis 2001 und von 2002 bis 2006 an der Macht war. Er stützt sich auf ein Sammelsurium von Kleinstparteien, die er vor jeder parlamentarischen Abstimmung erst einmal wieder hinter sich bringen muss. Seine eigene Partei, die "Konvention für die Erneuerung der Komoren", hält lediglich zwei von den insgesamt 24 Parlamentssitzen. Beobachter glauben, dass es ihm dennoch gelingen wird, bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 an der Macht zu bleiben und für Frieden zu sorgen. Dabei wird er sich, wie das auf den Komoren üblich ist, den Machterhalt durch die Vergabe von Posten erkaufen müssen. In der Folge geben die Komoren etwa 80% bis 90% ihrer Steuereinnahmen für die Gehälter von Staatsbediensteten aus. Die großen sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Landes können so allerdings nicht gelöst werden: Die Wirtschaft bleibt schwach, die Arbeitslosigkeit hoch, die Nahrungsmittelversorgung nicht gesichert und die Stromversorgung erratisch.

Die Hoffnung des Landes stützt sich deshalb auf den alten Kolonialherrn Frankreich, die omnipräsenten Chinesen, Indien, die Arabische Liga und den IWF. Frankreich ist traditionell ein wichtiger Geber, führender Militär- und Handelspartner der Komoren und garantiert die Stabilität des Komoren-Franc. Dabei dürfte es bleiben, sagen Kenner, es sei denn, eine Marine Le Pen würde einmal die französische Politik bestimmen. Der chinesische Einfluss nimmt derweil, wie überall in Afrika, zu, wenngleich die Abschwächung der chinesischen Wachstumszahlen die "Abenteuerlust" des Landes in fragilen afrikanischen Staaten reduziert. Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Indien entwickeln sich gut, ebenso wie die Kontakte mit Staaten der Arabischen Liga.

IWF wieder an Bord

Angesichts der schwachen Wirtschaft sind die Komoren unterdessen bereit, wieder mit dem IWF zu verhandeln, nachdem die letzte Vereinbarung 2013 ausgelaufen war. Nach Ansicht von Beobachtern werden die Gespräche mühsam, aber dennoch 2018 zu einem neuen Kredit führen. Die Marschrichtung und die Forderungen des Fonds sind vorhersehbar: wirtschaftliche Reformen und Stärkung der Infrastruktur, vor allem der Stromversorgung und des Straßennetzes. Die größte Herausforderung dürfte der aufgeblähte Staatsapparat und das unzureichende fiskalische Management darstellen.

Die britische Economist Intelligence Unit (EIU) erwartet auf den Komoren für 2017 und 2018 ein reales Wirtschaftswachstum von 1,2% und 2,1%, was noch nicht einmal mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten kann. Mit einem BIP von schätzungsweise 600 Mio. $ bleiben die Komoren damit die kleinste Volkswirtschaft in Ostafrika.

Die etwa 800.000 Einwohner der Komoren können sich dennoch eines Pro-Kopf-Einkommens erfreuen, das über dem anderer afrikanischer Staaten wie dem von UgandaÄthiopien und Madagaskar liegt. Zu verdanken haben sie dies einem, so Kritiker, "unverwüstlichen" und "unkritischen" Zustrom von Gebergeldern, vornehmlich aus Frankreich, sowie stetigen Gastarbeiterüberweisungen. Alleine in Frankreich leben schätzungsweise 300.000 Komorer.

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