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Hotelboom in Kenia

Chancen für deutsche Lieferanten von Hotelausstattung

 

Nairobi (22.09.2017) Nirgendwo auf dem afrikanischen Kontinent werden so viele neue Luxushotels geplant und gebaut wie in Kenia. So äußert sich Horwath HTL South Africa, ein auf die Beratung, Entwicklung und Realisierung von internationalen Hotelprojekten und touristischen Destinationen spezialisiertes Unternehmen.

International gesehen sei der Markt zwar nur eine Nische, dafür aber eine mit Wachstum und guten Renditen, heißt es.

Kenia und Äthiopien mit den meisten Hotelprojekten

Nach den Erhebungen von Horwath HTL sind aktuell in Kenia alleine 24 neue Fünf-Sterne-Hotels und -Resorts in der Pipeline, dicht gefolgt von Äthiopien mit 23, Südafrika mit 16, Algerien und den Kapverden mit jeweils zwölf, Tansania mit elf und Tunesien mit zehn Vorhaben. Insgesamt listet die Datenbank des Unternehmens in Afrika 116 Hotelprojekte in der Planungs- und 155 in der Bauphase auf. Hinzu kommen 78 Hotels, die kurz vor der Fertigstellung beziehungsweise Eröffnung stehen. Für die Qualität garantieren internationale Managementgesellschaften, die sich in Ostafrika mittlerweile die Klinke in die Hand geben.

Nach Ansicht von Michele de Witt, Südafrika-Direktorin von Horwath HTL, ist Afrika in Bezug auf Touristik ein weitgehend unerschlossener Markt. Nach den Zahlen des Welttouristikrats WTTC (World Travel and Tourism Council) wurden 2016 weltweit etwa 807 Milliarden US-Dollar (US$) in die Touristikbranche investiert; Subsahara-Afrika war lediglich mit 17 Milliarden US$ dabei - magere zwei Prozent. "Einige Investoren halten Afrika für risikoreich", sagt de Witt, wer aber dennoch komme, habe einen Pioniervorteil und könne höhere Margen realisieren - eine Beobachtung, die auch für andere Branchen gilt.

Schlechte Verkehrsanbindungen bremsen Wachstumsmarkt

Als eine der Haupthindernisse für einen verstärkten Tourismus in Subsahara-Afrika bezeichnete de Witt die schlechte Verkehrsinfrastruktur. Beispiel Kenia: Wer von der Hauptstadt Nairobi in die ugandische Hauptstadt Kampala reisen will, muss oft genug zwei Stunden für die 20 Kilometer lange Strecke zum Flughafen JKIA (Jomo Kenyatta International Airport) kalkulieren und sollte zwei Stunden vorher einchecken. Der Flug selbst dauert unter 60 Minuten, das Prozedere am ugandischen Flughafen Entebbe schlägt dann mit gut einer Stunde und die Weiterfahrt zur Hauptstadt Kampala in der Rushhour erneut mit bis zu zwei Stunden zu Buche. Fazit: Ein ganzer Tag ist weg.

"Im Hotelgeschäft gibt es weltweit kaum noch wirklich angesagte Märkte", sagt Stephen Rushmore Junior, Geschäftsführer der US-amerikanischen Beratungsgesellschaft für das Gastgewerbe HVS Global Hospitality Services. "Geschäftsmöglichkeiten finden sich dagegen in Nischensegmenten. Bestimmte Hoteltypen für bestimmte Märkte", lautet die Strategie. "Afrika ist aktuell unserer wichtigster Schwellenmarkt", sagt Andrew McLachlan, Senior-Vizepräsident für Geschäftsentwicklung in Afrika und dem Indischen Ozean für die in Brüssel firmierende Hotelgruppe Carlson Rezidor. "Wir wollen unser Engagement mittelfristig von 16.400 Zimmern auf 23.000 Zimmer ausweiten." Dabei sei Nairobi mittlerweile eine Investmentalternative zur südafrikanischen Metropole Johannesburg geworden. Die Sicherheit in Nairobi habe sich deutlich verbessert. "Sie ist eine großartige Mice-Destination (Meetings, incentives, conferences and exhibitions)", sagt McLachlan, "was uns eine Menge Geschäft beschert". Carlson Rezidor zählt zu den am schnellsten wachsenden Hotelketten in Afrika. Zu den Marken gehören Quorvus Collection, Radisson Blu, Radisson, Radisson Red, Park Plaza, Park Inn, Country Inns & Suites sowie Club Carlson.

Hotelqualität nimmt zu

Konnte man früher die Zahl der internationalen Hotelketten in Kenia leicht an einer Hand abzählen, so braucht es dafür heute drei Hände. Einige Ketten eröffnen inzwischen auch ein zweites, drittes oder viertes Haus, oder haben es zumindest in der Planung. Bemerkenswert ist dabei die zunehmende Qualität der Häuser. Aktuell dürften in Nairobi die Hotels Radisson Blue, Kempinski und Tribe die Top-Standards setzen, demnächst aber wollen andere Ketten wie das neue 63-Stockwerke hohe Hilton den Platzhirschen die Spitzenposition streitig machen. Das Hilton-Gebäude wird mit 300 Metern das höchste in Afrika - vor dem 223 Meter hohen, in die Jahre gekommenen Carlton Center in Südafrika. (Bauherr des Turms, in dem sich Hilton eingemietet hat, ist der Erdölhändler Hass Petroleum, Bauunternehmer die China State Construction Engineering Company CSCEC.) Auch andere Ketten wie Sheraton, Mövenpick, Ramada, Best Western und Marriot haben Expansionspläne in Kenia und weiteren ostafrikanischen Ländern. Das Geld für die Investitionen kommt meist von reichen lokalen Familien oder regional aufgestellten Firmen, die nach einer erfolgversprechenden Finanzanlage suchen.

Zu einer positiven Einschätzung des kenianischen Tourismus-Geschäfts kommt auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC): Nach vier Jahren des Niedergangs habe sich das Blatt 2016 gewendet, heißt es. Konnte Kenia 2011 noch 1,82 Millionen internationale Reiseankünfte verbuchen, so waren es 2015 nur noch 1,18 Millionen, 2016 aber wieder 1,31 Millionen. Dank einer verbesserten Sicherheitslage konnte Kenia 2016 eine Reihe großer Konferenzen abhalten und seinen Safari-Tourismus wieder ankurbeln.