Indonesien: Deutsche Exporte blieben im 1. Halbjahr 2021 auf Krisenniveau

Während Indonesiens Einfuhren kräftig anzogen, verharrten die deutschen Ausfuhren in den Archipel auf dem Level des Vorjahres.

 

Indoensien (24.08.2021) - Deutschland hat laut Destatis in den ersten sechs Monaten 2021 Waren im Wert von 1,2 Milliarden US-Dollar (US$) nach Indonesien exportiert. Das ist eine Steigerung von nur 2,6 Prozent gegenüber demselben Vorjahreszeitraum. In Euro gerechnet steht sogar ein Minus von 6,4 Prozent zu Buche. Dies ist der geringste Lieferwert in einem 1. Halbjahr seit 2010.

Der deutsche Export ist vor allem deshalb enttäuschend, weil Indonesiens Einfuhren wieder angezogen sind. In den ersten sechs Monaten 2021 importierte der Archipel Waren im Wert von 91 Milliarden US$. Das ist ein Plus von 28,4 Prozent gegenüber demselben Vorjahreszeitraum und entspricht wieder dem Niveau der Zeit vor der Coronapandemie.

Da die Ausfuhren sogar um 34,8 Prozent zugelegt haben, wird für das Gesamtjahr ein hoher Außenhandelsüberschuss erwartet. Indonesien ist es gelungen, in der Coronakrise den zuvor negativen Saldo in einen positiven umzuwandeln. Der Außenhandelsüberschuss von 2020 in Höhe von 21,7 Milliarden US$ war der zweithöchste aller Zeiten. Inwieweit die stark gesunkenen Importe dabei Folge einer geringeren Nachfrage oder aber einer protektionistischen Wirtschaftspolitik waren, ist schwer zu ermessen.

Deutschland lieferte mehr Chemie als Maschinen

Deutschland exportierte erstmals mehr chemische Produkte nach Indonesien als Maschinen. In mehreren Chemiesektoren gab es deutliche Steigerungen, bei Industriechemikalien lagen sie sogar deutlich über dem Vorkrisenniveau. 

Ein Grund dafür könnte sein, dass die chinesische Übermacht in der Chemiebranche nicht so stark ausgeprägt ist wie bei Maschinen, wo Lieferanten aus der Volksrepublik bereits einen Anteil von 40 Prozent erreicht haben. Hier wird es vor allem im unteren und mittleren Technologiebereich immer schwieriger, gegen die günstigen chinesischen Wettbewerber zu bestehen. In noch stärkerem Maße gilt das für Elektronik und Elektrotechnik, in etwas geringerem Umfang für Mess- und Regeltechnik. Auf China entfallen mittlerweile fast 30 Prozent der indonesischen Gesamtimporte.

Die deutschen Kfz-Lieferungen verharren weitgehend auf dem schwachen Level des Vorjahres. Zwar hat sich der indonesische Automobilmarkt im 1. Halbjahr 2021 wieder erholt, doch der Lockdown im Juli und August verhindert für das Gesamtjahr eine Erholung auf das Vorkrisenniveau.

Die deutschen Lieferungen von Medizintechnik sind gegenüber dem 1. Halbjahr 2020 um knapp ein Drittel zurückgegangen. Damals hatte es durch das Nachfrageplus in der Pandemie allerdings einen neuen Rekord gegeben. Das im Juni 2021 plötzlich verhängte Importverbot von Medizintechnik in der öffentlichen Beschaffung bereitet den Lieferanten derzeit Schwierigkeiten und schadet dem Vertrauen in den Investitionsstandort Indonesien.

Kaum Investitionen in der Luftfahrt möglich

Ein erheblicher Teil der deutschen Verluste am Import seit Beginn der Coronapandemie entfällt auf Flugzeuge und dazugehörige Ausrüstung. Zwischen 2017 und 2019 hatte es entsprechende deutsche Lieferungen in Höhe von mehr als 600 Millionen US$ gegeben. Seitdem sind sie nahe Null. Der staatlichen Fluglinie Garuda droht die Insolvenz, Investitionen sind daher kaum noch möglich.

Ein deutliches Plus gab es hingegen bei den deutschen Nahrungsmittellieferungen. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf Milch. Hier steigt die Nachfrage mit der wachsenden Mittelschicht, die eigenen Produktionskapazitäten können mit der Entwicklung nicht Schritt halten. Die Europäische Union ist wichtigster Milchlieferant, vor Neuseeland und den USA. Allerdings ist der Markt für Nahrungsmittel streng reglementiert und wird teilweise über die Vergabe von Importlizenzen gesteuert. Sie werden bei politischen Streitigkeiten gerne als Faustpfand eingesetzt.

Kein baldiges Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union

Die Importnachfrage des Landes hängt an der Wirtschaftsentwicklung. Hier verdüstern sich die mittelfristigen Aussichten zunehmend. War noch zu Jahresbeginn 2021 mit einer Rückkehr auf das normale Wachstumsniveau von etwa 5 Prozent erwartet worden, so wurden nachfolgende Prognosen bereits auf ein Negativszenario von 3,7 Prozent herabgesetzt. Auch sie dürften angesichts des langen Lockdowns nicht haltbar sein. Im 1. Halbjahr 2021 lag das Wachstum nur bei 3,1 Prozent.

Darüber hinaus sind die Einfuhren auch an einen politischen Willen zum freien Handel geknüpft. Allerdings sind die Aussichten auf ein baldiges Freihandelsabkommen zwischen dem Archipel und der uropäischen Union schlecht. Die Verhandlungen sind dem Vernehmen nach festgefahren. Knackpunkt ist das Thema Nachhaltigkeit, vor allem beim Palmölanbau. Indonesien befürwortet ein Abkommen mit geringer Regelungstiefe

Ein solches ist das zwischenzeitlich geschlossene regionale Freihandelsabkommen RCEP (Regional Comprehensive Economic Parnership) zwischen der ASEAN, China, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland. Es könnte China einen Vorteil verschaffen und für deutsche Lieferanten den Wettbewerb in Indonesien weiter erhöhen.

(Quelle: GTAI)