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Landwirtschaft als ein Kernpunkt der Transformation Afrikas

Afrikanische Entwicklungsbank plädiert für Agribusiness-Offensive

 

Bonn (01.08.2017) "Transforming Agriculture for Wealth Creation in Africa" lautete das Leitmotto der Jahreskonferenz der Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB). Im Kontext Afrikas sind Beschäftigung und Landwirtschaft stark diskutierte Themen. So sieht auch die gemeinsame Erklärung des G20-Gipfels eine Beschäftigungsinitiative für junge Menschen in ländlichen Gebieten mit Schwerpunkt auf Afrika vor.

Die AfDB will ihre Investitionen in den Agrarsektor auf jährlich rund 2,4 Mrd. US$ steigern. Ein Kontinent, der sich selbst ernährt, zählt zu den Kernanliegen der Afrikanischen Entwicklungsbank. Dies wurde auf ihrer Jahrestagung vom 22. bis 26.5.17 im indischen Gandhinagar sehr deutlich. Insbesondere mit dem Potential einer modernen, produktiven Landwirtschaft für Wohlstand und Jobs setzte sich eine Vielzahl von Veranstaltungen auseinander. Landwirtschaft und Ernährung gehören zu den sogenannten High 5 for Africa, den fünf Kernthemen, auf die die Bank seit dem vergangenen Jahr ihre strategische Agenda fokussiert. Neben "Feed Africa" zählen hierzu Industrialisierung, Strom- und Energieversorgung, Verbesserung der Lebensbedingungen sowie Integration des afrikanischen Kontinents.

Existenzsicherung, Unternehmensgründung, Beschäftigung

AfDB-Präsident Akinwumi Adesina, der früher Landwirtschaftsminister in Nigeria war, präsentierte die Grundidee wiederholt und mit Nachdruck. Nur durch gesteigerte landwirtschaftliche Erzeugung, vor allem aber dem Aufbau verarbeitender Industrien mit hoher Wertschöpfung, könne Afrika effektiv den Hunger bekämpfen, unter dem dort gegenwärtig etwa 300 Millionen Menschen leiden. Ziel ist es, sich von den Nahrungsmittelimporten unabhängig zu machen, für die es gegenwärtig 35 Mrd. US$ pro Jahr ausgibt, obwohl es über 60% des weltweiten nicht genutzten Ackerlandes verfügt. Adesina setzt auf den Einsatz moderner, innovativer Technologien für Ernte, Nahrungsmittelverarbeitung und Ausbau der Logistik, in Verbindung mit moderner Transport- und IKT-Infrastruktur, um das Agrobusiness zu einem hoch produktiven Sektor und einer nachhaltigen Erfolgsstrategie für den Kontinent zu machen.

Vor allem gegenüber der zahlenmäßig weiter wachsenden, oft arbeitslosen und desillusionierten Jugend müsse der als rückständig geltende Agrarsektor durch moderne Jobs mit guter Ausbildung attraktiv gemacht werden. Besser ausgeschöpfte Potentiale der Landwirtschaft könnten einem Teil der 350 Mio. jungen Menschen Beschäftigung bieten, die allein in Subsahara-Afrika bis zum Jahr 2035 neu auf den Arbeitsmarkt kommen sollen.

Die AfDB will künftig deutlich mehr in Landwirtschaft, Nahrungsmittelproduktion und Lieferketten investieren. Adesina zufolge wird sie ihre Agro-Investitionen künftig auf etwa 2,4 Mrd. $ jährlich steigern. Zusätzlich soll auch mehr privates Kapital in afrikanisches Agribusiness fließen. Die Bank fördert aber auch afrikaweite Austauschforen wie die Leadership for Africa Platform (Landwirtschafts- und Finanzminister) oder die Agribusiness Platform (Unternehmen und Regierungen).

Zusagen auf Rekordniveau

Im Geschäftsjahr 2016 gab die Bank Finanzierungszusagen in Höhe von 10,08 Mrd. $. Dies bedeutete nicht nur eine massive Steigerung gegenüber dem Vorjahr (8,78 Mrd. $), sondern auch einen Rekordwert. Vor diesem Hintergrund plädierte Präsident Adesina auf der Konferenz auch für eine Kapitalerhöhung der Bank, damit diese den künftigen Erfordernissen einer Finanzierung der Transformation des Kontinents gerecht werden könne.

Die Afrikanische Entwicklungsbank zog 2015 von Tunis zurück nach Abidjan und hat seitdem eine umfassende Reorganisation vollzogen. Dabei wurden einerseits Vizepräsidentschaften mit übergreifenden thematischen Zuständigkeiten geschaffen, unter anderem für Energie und Klima, Infrastruktur und Industrialisierung oder Landwirtschaft und gesellschaftliche Entwicklung. Dadurch sollen Kernthemen besser koordiniert, aber auch klarere Ansprechstrukturen für den zunehmend als wichtig gesehenen Privatsektor geschaffen werden. Andererseits hat die Bank ihre regionale Struktur gestärkt: Neben der Zentrale in Cote d'Ivoire sollen regionale "Hubs" in Kenia, Südafrika und Tunesien als Zentren für regionale Entwicklung, Integration und "Business Delivery" die Projektumsetzung beschleunigen. Bereits zwei Drittel der von der Bank finanzierten Maßnahmen werden aus den Länderbüros oder Regionalzentren der Bank gesteuert; gut 40% des Personals ist dort tätig.

Der Gastgeber Indien nutzte die Konferenz auch, um vor den knapp 3.000 Delegierten seine Ansätze für den weiteren Ausbau der starken wirtschaftlichen "Süd-Süd"-Beziehungen zu Afrika in Szene zu setzen. Traditionell sind diese zwischen den westindischen Bundesstaaten und Ostafrika besonders stark. Als einer der weltweit führenden Produzenten von Vieh, Getreide, Baumwolle und Zuckerrohr verfügt Indien über Fachexpertise, die sich auf ähnliche klimatische Bedingungen Afrikas übertragen lässt. Dies betrifft etwa Nutzung trockenheitsresistenter Getreidesorten, Mechanisierung der Landwirtschaft, Ernteausfallversicherungen und die Entwicklung landwirtschaftlicher Wertschöpfungsketten, etwa für Kakao, Tee und Baumwolle. Auch bildet Indien viele junge Afrikaner durch technische und Praxistrainings in Indien aus, der Schwerpunkt liegt im Landwirtschafts- sowie im IKT-Bereich. Außerdem will Indien Investitionen der Afrikanischen Entwicklungsbank im Rahmen von "Feed Africa" zwischen 2017 und 2019 mit 1 Mrd. US$ kofínanzieren.

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