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Neue Seidenstraße nach Europa führt durch Iran

Teheran (25.07.2017) In der Sanktionszeit ist die VR China zu Teherans führendem Handelspartner aufgestiegen, diese Position soll weiter gefestigt werden. Iran nimmt in der chinesischen "Belt and Road" Initiative eine wichtige Position ein. Das iranische Schienennetz soll ausgebaut und für den Transitverkehr nach Ost- und West-Europa genutzt werden.

Die chinesischen Iran-Aktivitäten erstrecken sich auch auf viele andere Sektoren, darunter Öl- und Gasförderung, Petrochemie, Kraftwerksbau oder Metallerzeugung.

Chinesischen Angaben zufolge erreichten die Ausfuhren nach Iran 2014 mit 24,3 Mrd. US$ einen Höhepunkt, 2016 waren es nur noch 16,4 Mrd. US$. Für 2017 zeichnet sich wieder ein Zuwachs ab. Die trotz Sanktionslockerung anhaltenden Schwierigkeiten europäischer Firmen, Großprojekte in Iran zu finanzieren, bieten der VR China neue Chancen. In Iran wird unter der Seidenstraßen-Initiative vor allem der Ausbau der Eisenbahnverbindungen verstanden, die den Transit Richtung Europa ermöglichen, über die Türkei und zukünftig auch über Aserbaidschan.

Modernisierung der China-Iran Schienenverbindung

Die chinesische Regierung hat im Mai 2017 eine Finanzierungszusage für die Elektrifizierung der zweispurigen Schienenstrecke zwischen Teheran und Mashad gegeben, so das iranische Transportministerium. Der 926 km lange Streckenabschnitt ist Teil einer bestehenden 3.200 km Verbindung zwischen Urumqi, der Hauptstadt der west-chinesischen Provinz Xinjing, und der iranischen Hauptstadt. Der Schienenweg führt über Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Turkmenistan. Pressemeldungen zufolge arbeitet die China Railway Company an Plänen, die Strecke zu einer Hochgeschwindigkeitsverbindung für Fracht- und Passagierverkehr auszubauen.

Seit Anfang 2016 betreibt die in der Schweiz ansässige InterRail Gruppe eine Güterverbindung zwischen Yiwu in der chinesischen Küstenprovinz Zhejiang und Teheran (10.300 km). Die Fahrt dauert etwa zwei Wochen. Die kasachische Eisenbahngesellschaft hält es für möglich, dass 2020 bis zu 700.000 Container auf der Strecke China-Kasachstan-Turkmenistan-Iran transportiert werden könnten.

Das Teheran-Mashad Elektrifizierungsprojekt soll 2,2 Mrd. US$ kosten. Für die Durchführung ist die China National Machinery Import und Export Corporation gemeinsam mit der iranischen Mapna Group zuständig. Das Vorhaben könnte mit deutscher Beteiligung umgesetzt werden. Siemens ist interessiert. Das Unternehmen bietet Signalisierungs- und Elektrifizierungstechnologie an und hat außerdem mit Mapna eine Absichtserklärung über den lokalen Bau von Elektrolokomotiven unterzeichnet.

Westlich von Teheran führt eine Schienenstrecke bis zur türkischen Grenze. Das iranische Schienennetz erhält über Aserbaidschan eine zusätzliche Verbindung nach Europa (International North-South Transport Corridor). Allerdings ist ein Teilstück, die 160 km Verbindung zwischen Rasht und Astara (Grenze), nur zu 40% realisiert, erst in einigen Jahren wird mit der Fertigstellung gerechnet, es gibt Finanzierungsprobleme. Ein anderes Teilstück des Korridors, die 650 Mio. US$ teure Strecke zwischen Qazvin und Rasht, soll noch 2017 in Betrieb gehen.

Iran-Afghanistan-Tadschikistan Verbindung

Mit chinesischer Hilfe könnte auch eine neue Verbindung zwischen Iran und Tadschikistan über Afghanistan entstehen. Im Juni 2017 haben die VR China und Afghanistan eine Vereinbarung über eine Durchführbarkeitsstudie für eine Bahnverbindung zwischen Herat im Osten Afghanistans und Sher Khan Bandar an der afghanisch-tadschikischen Grenze (700 km) unterzeichnet. Bereits vor mehr als zehn Jahren gab es Gespräche zwischen Iran und Afghanistan über den Bau einer 80 km Verbindung von Khaf (Iran) nach Herat. Schon damals wurde als Option eine östliche Fortführung der Strecke nach Tadschikistan diskutiert.

VR China auch in anderen Sektoren aktiv

Die VR China ist in Iran breit aufgestellt. Chinesische Firmen bauen und finanzieren in Iran auch Kraftwerke, ferner gibt es Beteiligungen an Projekten in den Bereichen Öl- und Gasförderung, Petrochemie, Metallerzeugung, Bergbau oder beim Ausbau von Metrosystemen. Neben Kooperationen mit iranischen Partnern werden die Projekte häufig gemeinsam mit westlichen Firmen (Technologielieferanten) durchgeführt.

In der Region Fars North will die Chinese Machinery Engineering Corporation (CMEC) ein 1.000 MW GuD-Kraftwerk (Gas und Dampfturbinenkraftwerk) erreichten. In Ramhormoz plant Harbin Electric ebenfalls eine 1.000 MW GuD-Anlage. Anfang 2016 hat die VR China anlässlich des Besuchs von Präsident Xi Jinping in Teheran eine Vereinbarung über den Bau von zwei 1.000 MW Atomkraftwerken in der Nähe von Chabahar unterzeichnet, als Investitionssumme werden 10 Mrd. US$ angegeben. Das Abkommen umfasst ferner die Modernisierung des Schwerwasserreaktors in Arak und die Errichtung mehrerer 100 MW Kraftwerke.

Wichtiges Gasprojekt mit chinesischer Beteiligung

Die China National Petroleum Corporation (CNPC) ist an dem ersten großen, mit ausländischen Unternehmen nach Lockerung der Sanktionen vereinbarten Gasförderprojekt, der Entwicklung der Phase 11 des South Pars Gasfeldes, mit 30% beteiligt. Konsortialführer (Beteiligung: 50,1%) ist Frankreichs Total, die restlichen 19,9% entfallen auf die lokale Petropars. Total hatte zunächst wegen möglicher neuer US-Sanktionen Vorbehalte, will aber nun mit dem Projekt beginnen.

Im Juli 2017 wurde in Teheran der abschließende Vertrag unterzeichnet. Das Investitionsvolumen wird mit 4,8 Mrd. US$ veranschlagt. Total will zunächst 1 Mrd. US$ beisteuern. Angesichts der unkalkulierbaren Washingtoner Iran-Politik erklärte Total CEO Patrick Pouyanne, man müsse mit einer gewissen Unsicherheit leben. Das 1 Mrd. US$ Risiko sei aber gerechtfertigt, weil dadurch ein riesiger Markt geöffnet werde. Das Risiko möglicher neuer oder die Reaktivierung alter US-Sanktionen sei berücksichtigt.

In South Pars 11 ist eine Förderung von 1,8 Mrd. cfd (cubic feet daily) geplant. Für das Projekt kommt das neue Vertragsmodell, der "Iranian Petroleum Contract" (IPC), zur Anwendung. Demnach würde das französisch-chinesisch-iranische Konsortium das Gasfeld entwickeln und anschließend mindestens 20 Jahre betreiben.

Auch in Irans Ölsektor sind chinesische Firmen weiterhin aktiv, obwohl es während der Sanktionszeit schwere Kritik an der Leistung der chinesischen Firmen gab. Die CNPC arbeitet im North Azadegan Ölfeld und die China Petrochemical Corporation (Sinopec) im Yadaravan Feld. Beide Vorkommen gehören zu den "Shared Oilfields" an der irakischen Grenze, deren Entwicklung Priorität hat.

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