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Südafrika steuert in gravierende Wasserkrise

Kapstadt (25.08.2016) Trinkwasser aus der Leitung ist in Südafrika keine Selbstverständlichkeit mehr. Übernutzte Reserven und eine schwere Dürre führen zu örtlichen Engpässen. Angesichts des Klimawandels und steigenden Bedarfs muss Südafrika massiv in die Infrastruktur investieren. Neben der vorherrschenden Nutzung von Oberflächenwasser müssen dabei zusätzliche Möglichkeiten gefunden werden. Das eröffnet Unternehmen Geschäftschancen in Bereichen wie Wassermanagement oder Kleinkläranlagen

In Südafrikas Städten und Gemeinden wird das Trinkwasser knapp. Mit der Hafenstadt Durban musste im August 2016 die erste Großstadt massive Verbrauchsrestriktionen verhängen. Täglich von 21 bis 4 Uhr bleiben die Leitungen trocken. Zuvor hatten schon eine Reihe kleinerer Städte, wie Kroonstad, die Wasserzufuhr zeitweise abstellen müssen. In Gebieten wie Senekal oder Swartruggens brach das Wassernetz völlig zusammen, sodass die Bevölkerung mit Tankwagen versorgt werden musste.

Wie neue Studien des US-Institute of Security Studies (ISS) und der südafrikanischen Water Research Commission (WRC) zeigen, übersteigt der derzeitige Jahresverbrauch mit 15,6 Mrd. cbm die Ressourcen von 15,3 Mrd. bereits. In der Vergangenheit wurde also mehr Wasser aus den Flüssen, Grundwasserspeichern und Dämmen entnommen als eine nachhaltige Bewirtschaftung zulässt. Dass eine solche Übernutzung die Wasserversorgung fragil und schockanfällig werden lässt, bekommt die Kaprepublik nun deutlich zu spüren. Infolge eines besonders ausgeprägten El Nino wurde 2015 das trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1904 gemessen.

Steigender Verbrauch und Gefahr von Dürren erfordern Infrastrukturausbau

Mit einem durchschnittlichen Niederschlag von 450 mm pro Jahr gehört Südafrika zu den 30 wasserärmsten Ländern der Erde. Experten warnen, dass es im Zuge des Klimawandels häufiger zu extremen Wetterlagen mit langen Trockenperioden kommen wird. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf im Zuge von Bevölkerungswachstum (zuletzt 1,8% pro Jahr) und Urbanisierung weiter an. Während derzeit bereits rund 63% der Menschen in den städtischen Ballungsräumen leben, sollen es 2035 etwa 80% sein. Eine Zunahme, die den Bau von 3,4 Mio. Trinkwasseranschlüssen erfordern wird.

Die zu erwartenden Bedarfssteigerungen erzwingen einen gewaltigen Infrastrukturausbau. Das Department of Water and Sanitation (DWS) hat bis 2035 mögliche Projekte mit einem Investitionsvolumen von 2,7 Bill. Rand (R; rund 178,4 Mrd. Euro; 1 R = circa 0,07 Euro) identifiziert.

Experten schätzen, dass rund 86% aller angedachten Neuvorhaben auf die verstärkte Nutzung von Oberflächenwasser abzielen, was zahlreiche Aufträge für den Bau von Staudämmen, Pumpstationen, Pipelines und Aufbereitungsanlagen auslösen wird. So hat beispielsweise der Betreiber Randwater bis 2020 einen Investitionsplan von 17 Mrd. R aufgelegt, um die Versorgung der Wirtschaftsregion Johannesburg aus dem Vaal River System sicherzustellen. Derzeit deckt Oberflächenwasser über 70% des Bedarfs, ist aber sehr ungleich im Land verteilt. Südafrika ist deshalb Weltmeister im Bau großer Transfersysteme.

Versorgungsdefizit zwingt zu Diversifizierung der Wasserversorgung

Doch selbst wenn alle möglichen Vorhaben zur Oberflächenwassernutzung bis 2035 umgesetzt werden, würde dem ISS zufolge noch ein Versorgungsengpass von 6% bleiben. Tatsächlich dürfte das Defizit um einiges höher ausfallen. Der durch wirtschaftliche Stagnation geplagten Kaprepublik fehlt es an Geld und Know-how, um einen Infrastrukturausbau in der erforderlichen Größenordnung zu stemmen. Großprojekte haben zudem regelmäßig mit jahrelangen Verzögerungen zu kämpfen. "Südafrika benötigt dringend einen neuen Wassermix, um Defizite in der Verfügbarkeit von Oberflächenwasser auszugleichen", sagt deshalb Carsten Orzol, Geschäftsführer des Unternehmens Memcon.

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