Am Puls der Medizin: medika Medizintechnik GmbH

Hof/S (April 2021). - Wieder ein hidden champion am äußersten östliche Rand von Bayern: Die medika Medizintechnik GmbH ist das deutschlandweit größte familiengeführte medizintechnische Handels- und Dienstleistungsunternehmen und hat ihren Sitz im oberfränkischen Hof. Kunden aus dem öffentlichen und privaten medizinischen Bereich bietet das Unternehmen mit seinen 200 Mitarbeitern ein Sortiment an hochwertigen Medizinprodukten und vielfältigen Dienstleistungen an. „Mit unserem Partner, der KL Medical in Ascheberg und der TEG Medical in Reichenbach produzieren wir Schutzkittel, medizinischen Mund-Nasen Schutz, OP-Mundschutz mit Bindebändern, FFP2 Masken sowie unsere neueste Entwicklung den Viruskiller als MNS und FFP2 Maske“, sagt Michael Koch, seit fünf Jahren Produkt- und Projektmanager im Unternehmen.

 

Exporte seit den 90ern

1967 gegründet, startete medika das Exportgeschäft Anfang der 90er Jahre: „Seitdem exportieren wir nach Tschechien, Russland und Ungarn, seit 2015 auch nach Slowenien, Italien Polen, Irland, England, Holland und in die Schweiz“, sagt Michael Koch. Seit 2014 beliefert medika  über seine Tochter in Kufstein, die medika Austria, auch mehr als 300 Kunden in Österreich. „Die Auslandskontakte stammen in erster Linie von langjährigen früheren Geschäftspartnern oder durch Messebesuche wie etwa der medica in Düsseldorf“, sagt Koch.

Bei Fragen der Exportgeschäftsabwicklung arbeitet die Firma eng mit der IHK Oberfranken zusammen. „Die MitarbeiterInnen aus den Bereichen Innovation/Unternehmensförderung und International der IHK haben uns auch in diesen schwierigen Zeiten unterstützt. Sie haben uns Informationen und Ansprechpartner für internationale Märkte zusammengestellt, Kontakte geknüpft und europaweit nach Kooperationsangeboten und –nachfragen recherchiert.“

 

Gut durch die Corona-Krise

Sehr gut kommt  medika durch die derzeitige Corona-Krise: „Unsere aktuelle Situation ist sehr gut, weil wir unser Portfolio frühzeitig auf verschiedene hochqualifizierte Hersteller in Asien UND Europa aufgebaut haben und zudem seit März 2020 dem Aufruf der Bundesregierung gefolgt sind und eine eigene Schutzbekleidungsproduktion in Deutschland aufgebaut haben.“ Im Gegensatz zu anderen Unternehmen musste medika keine Mitarbeiter in Kurzarbeit schickten, schließlich ist die Nachfrage nach medizinischer Ausrüstung Bereich anhaltend stark. „Da wir durch unsere langjährigen Geschäftsbeziehungen mit China wussten, dass dort wegen des Neujahrsfestes zwischen Februar und April auch in „normalen“ Jahren nahezu nichts produziert wird, hatten wir letztes und dieses Jahr lange Lieferwege einkalkuliert und unseren Einkauf langfristig geplant.
Dank einer vorausschauenden Lagerwirtschaft konnten wir unsere Kunden weiter beliefern. Ein Manko: Besuche und Beratungen bei Kunden und Lieferanten vor Ort konnten nicht stattfinden. „Wir haben deshalb im Unternehmen ein eigenes Corona-Team gebildet, das zeitversetzt im Homeoffice rund um die Uhr, auch am Wochenende, Kunden und Lieferanten betreut hat. Unsere Mitarbeiter wurden dafür von unseren IT-Fachleuten geschult. Aber das ersetzt nicht den persönlichen Kontakt, der für unsere Arbeit so sehr wichtig ist.“

 

Neue Märkte im Visier

„Leider haben durch die starke Marktstellung chinesischer Unternehmen und dem herrschenden Preisdruck in den vergangenen Jahren viele Hersteller aus osteuropäischen Ländern wie Bulgarien, Rumänien oder der Ukraine die Produktion von Medizinbedarf aufgegeben. Wir versuchen gerade, „alte“ Kontakte und Netzwerke wieder zu beleben und stärkere Lieferketten in Europa aufzubauen, da wir hier auch sichergehen können, dass europäische Normen und Standards eingehalten werden. Und wir nehmen neue Beschaffungs- und Absatzmärkte nicht nur in Europa, sondern zum Beispiel auch in Afrika und Südamerika, ins Visier. Mit den Auslandshandelskammern in Südafrika und Brasilien haben wir bereits erste Kontakte geknüpft. Die Nutzung von Förderprogrammen wie „go international“ prüfen wir.
Unternehmen, die neue Märkte suchen, rät Koch zu langfristiger und strategischer Planung: „ Lieferketten prüfen, nicht nur nach Asien schauen, sondern sich auf Kernkompetenzen in Deutschland und Europa besinnen, sich für Kooperationen mit Unternehmen aus der Nachbarschaft stärker öffnen und gemeinsam neue Ideen entwickeln.“

Quelle: Interview Cornelia Kern, IHK Bayreuth, erschienen in OWI 10/2020, Text: Karoline Rübsam