Die Hochschuljobbörse: Vom schwarzen Brett zur professionellen Jobvermittlung

Nürnberg (Februar/März 2020) – Uwe Wienkop ist seit 1997 Professor an der Fakultät Informatik der Technischen Hochschule Nürnberg. Er leitet die Hochschuljobbörse mit dem Projekt Study&Work International, die an 15 bayerischen Partnerhochschulen zum Einsatz kommt und dadurch über 90.000 Studierende erreicht. Außenwirtschaftsportal-Redakteurin Anne-Kathrin Cichon hat sich mit ihm darüber unterhalten, was die Jobbörse so besonders macht und wie kleine und mittelständische Unternehmen davon profitieren können.

Herr Wienkop, wie unterscheidet sich die Hochschuljobbörse (www.hochschuljobboerse.de) von herkömmlichen Jobbörsen auf dem Markt? Und was macht sie so besonders?

Im Vergleich zu herkömmlichen, kommerziellen Jobbörsen haben wir nicht den Anspruch, möglichst viel Geld zu verdienen. Uns ist es wichtig, eine bestmögliche Zusammenarbeit zwischen den Studierenden, den Career Services der Hochschulen und den Firmen zu schaffen. Früher gab es an vielen Hochschulen eigene Jobbörsen, die von Mitarbeitern der Career Services betreut wurden. Aber die Anzeigen zu prüfen oder Werbung für die Jobbörse zu machen, bindet viel Personal. Mit unserem Projekt wollten wir die Career Services tatkräftig unterstützen. Und natürlich wollen wir unseren Studierenden ein gutes Sortiment an Praktika, Jobs und Erstanstellungen bieten.

Wie ist die Hochschuljobbörse überhaupt entstanden?

Die Idee für die Hochschuljobbörse kam mir, als ich das schwarze Brett, an dem Studentenjobs aushingen, gesehen habe. Man kennt das ja: Dort ist stets viel zu wenig Platz und es sieht immer ein bisschen unaufgeräumt aus. Außerdem sehen nur die Studenten, die gerade da vorbeilaufen, die Aushänge. Da kam mir der Gedanke: „Dieses schwarze Brett muss man doch irgendwie ins Internet bringen können.“ Und seit diesen Anfängen im Jahr 1998 ist das Projekt stetig weiter gewachsen.

Wie profitieren kleinere und mittlere Unternehmen in Bayern von dem Angebot?

Die eigene Region zu stärken, ist das Anliegen vieler bayerischer Firmen. Wir haben immer wieder die Rückmeldung bekommen, dass sie gar nicht deutschlandweit inserieren wollen, weil sie Mitarbeiter aus ihrer Region suchen. Bei uns haben die Unternehmen die Möglichkeit, eine bewusste Auswahl zu treffen, an welcher unserer Partnerhochschulen sie inserieren möchten. Ein weiteres Angebot, das durch die Zusammenarbeit von Career Services der Hochschulen entstanden ist, sind die Praxistage (www.hochschul-praxistage.de), die Anfang März wieder stattfinden. Das ist auch für kleine und mittelständische Unternehmen interessant, die nicht immer die Möglichkeiten haben, um auf sich aufmerksam zu machen. Die teilnehmenden Firmen – im Spitzenjahr 2018 waren es rund 230 Unternehmen – geben Studierenden dabei einen Einblick in ihren Betrieb. Wir unterstützen dieses Projekt der Career Services unter anderem durch einen interaktiven Katalog.

Zu ihrem Angebot gehört auch das Projekt Study&Work International. Was hat es denn damit auf sich?

Das ist eine Plattform zur Vermittlung für Auslandspraktika an Studenten. Das Ziel davon ist, die Auslandsmobilität der bayerischen Studenten zu erhöhen. Die Suche nach einem Praktikumsplatz im Ausland ist aber nicht immer ganz einfach. Denn zum Beispiel eine karten- oder branchenbasierte Suche wie bei Inlandspraktika führt oft zu keinem Ergebnis. Deshalb haben wir einen Vermittlungsdienst für Praktika entwickelt, der ähnlich wie Partnerbörsen mit Interessensprofilen arbeitet. Dieser Vermittlungsdienst nennt sich GO|MATCH. Dabei formulieren Studierende und die Firmen ihre Wünsche und Anforderungen an den Praktikumsplatz bzw. den Bewerber. Wir liefern dann zurück, wie gut die Übereinstimmung ist und wo Unterschiede bestehen. Interessierte Unternehmen können Studierende auch „anstupsen“, d. h. auf sich aufmerksam machen, und die Studierenden entscheiden, ob sie mit der Firma Kontakt aufnehmen möchten.

Welche Vorteile hat das Projekt für die bayerischen Unternehmen, z. B. auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel?

Wir wollen qualifizierte Studierende möglichst frühzeitig mit Firmen zusammenbringen und ein Praktikum ist eine sehr gute Gelegenheit, sich gegenseitig ein wenig „zu beschnuppern“. Außerdem können Unternehmen auf ihre Auslandsniederlassungen aufmerksam machen und Praktikanten dafür finden. Was liegt für Unternehmen also näher als bayerische Studierende dort für eine Weile hinzuschicken, in der Hoffnung, dass sie dann womöglich sogar länger im Unternehmen bleiben wollen. Es ist mir aber auch selbst ein echtes Anliegen, den Studierenden eine Auslandserfahrung zu ermöglichen. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es eine große Bereicherung ist, eine andere Kultur kennenzulernen.

Was planen Sie für die Zukunft?

Wir sind momentan dabei, die beiden Projekte, Hochschuljobbörse und Study&Work International, zusammenzuführen. Denn bislang laufen beide über eigene Websites. Es wird zukünftig also nur noch eine Seite geben, die auf der Einstiegsseite die ganzen Produkte der Hochschuljobbörse auflistet, darunter eben auch Study&Work International. Dadurch soll deutlich werden, dass es sich um eine Einheit und nicht um zwei nebeneinanderstehende Projekte handelt.