BIHK-Statement zur Ukraine-Krise

München. - Die bayerischen Unternehmen schauen mit großer Sorge auf den Konflikt und hoffen auf eine Rückkehr zur Vernunft und zur De-Eskalation. Das sagt Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK).

"Es gilt dabei das Primat der Politik und der Aufrechterhaltung des Dialogs. Besonders angespannt betrachten die Unternehmen die Preisentwicklung an den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten und die Aussicht auf mögliche Sanktionen. Hier ergeben sich große Risiken für die bayerische Wirtschaft, insbesondere bei den Energiepreisen. Russland  ist aber auch global ein wichtiger Exporteur von Rohstoffen wie Aluminium, Titan und Palladium. Mittel- und langfristig muss die Energie- und Rohstoffversorgung Deutschlands und der ganzen EU daher diversifiziert werden, um unabhängiger von einzelnen Partnern zu werden. Aktuell raten wir den bayerischen Unternehmen mit Niederlassungen in der Ukraine dringend, die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu beachten und die weiteren Entwicklungen rund um die Uhr im Auge zu behalten. Die Situation ist äußerst ernst und kritisch."

Basisdaten zu den Wirtschaftsbeziehungen BY-RUS und BY-UA

Russland ist traditionell ein wichtiger Handelspartner Bayerns, aktuell belegt das bayerisch-russische Handelsvolumen (9,4 Mrd. € in 2021) Rang 14 im weltweiten Vergleich. Als Exportmarkt gehört Russland nicht zur Top-10 der größten Absatzmärkte: Aktuell liegt es auf Platz 17 der Zielländer bayerischer Exporte (3,1 Mrd. € in 2021). Ungleich bedeutender ist Russland für die bayerische Wirtschaft als Ursprungsland, vor allem von Rohstoffen. In der Rangliste der Importländer nahm Russland mit einem Volumen von 6,3 Mrd. € Platz 10.

In 2021 war ein Plus im bayerisch-russischen Außenhandel zu verzeichnen: Die Exporte nach Russland stiegen gegenüber 2020 um 8,4% und die Importe aus Russland nahmen um 82,5 % zu, was auf die gestiegenen Energiepreise und einen „Corona-Aufholeffekt“ zurückzuführen ist. 2021 stand Russland für 1,6 Prozent aller bayerischen Ausfuhren sowie 3,0 Prozent aller bayerischen Importe.
Von zentraler Bedeutung ist Russlands Beitrag zur bayerischen Energieversorgung: 36% der Erdöl- und Erdgasimporte Bayerns stammen aus Russland. Doch nicht nur die aktuelle Bedeutung für die Energieversorgung Bayerns, sondern das Potenzial Russlands, entscheidend zur angestrebten Energiewende beizutragen, z.B. durch eine Partnerschaft im Bereich Wasserstoff, ist ein wesentlicher ökonomischer und klimapolitischer Faktor.

Wichtigste Exportgüter BY-RUS (2020):

1. Kraftwagen und Kraftwagenteile im Wert von 687 Mio. EUR
2. Maschinen im Wert von 645 Mio. EUR
3. Chemische Erzeugnisse im Wert von 245 Mio. EUR
4. Elektrische Ausrüstungen im Wert von 243 Mio. EUR
5. Datenverarbeitungsgeräte, elektr. u. opt. Erzeugn.im Wert von 228 Mio. EUR


Wichtigste Importgüter RUS-BY (2020):

1. Erdöl und Erdgas im Wert von 2,84 Mrd. EUR
2. Metalle im Wert von 280 Mio. EUR
3. Chemische Erzeugnisse im Wert von 117 Mio. EUR
4. Holz und Holz-, Kork-, Korb-, Flechtwaren ohne Möbel im Wert von 53 Mio. EUR
5. Kokereierzeugnisse und Mineralölerzeugnisse im Wert von 33 Mio. EUR

Das Gesamthandelsvolumen mit der Ukraine betrug 2021 1,2 Mrd. Euro, damit Platz 44 aller Auslandsmärkte. Davon Export in die  Ukraine  705 Mio. EUR (plus 30 Prozent gegenüber Vorjahr), Platz 38 aller bayerischen Auslandsmärkte. Importe aus der Ukraine: 475 Mio. EUR (plus 33,5 Prozent gg. Vorjahr), Platz 47.

Download Handel Bayerns - Ukraine.

Wichtigste Handelspartner Bayerns Januar-Dezember 2021 - Rangfolgen

 

Sanktionen

Einen Überblick über die vor der derzeitigen Eskalation geltenden Sanktionen gibt es hier.

Quelle: BIHK, GTAI