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DIHK-Impulspapier: Die Globalisierung nach Corona

Berlin (24.08.2020) - Läutet die Covid-19-Pandemie den Beginn einer Deglobalisierung ein? In einem neuen Impulspapier zeigt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auf, weshalb eine solche Entwicklung verheerend für die deutsche Wirtschaft wäre und wie gegengesteuert werden kann.

"Wie im Zeitraffer beschleunigen sich im Zuge der Corona-Krise manche Trends", erläutert DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben die Situation. "Verbraucherpräferenzen ändern sich. Leider verstärken sich aber auch Handelshürden und staatliche Restriktionen. Lieferketten geraten durch Risiken wie Produktions- und Lieferausfälle unter Druck. Tendenzen zur Abschottung nehmen zu."

Internationale Verflechtungen Teil der Risikostreuung

Etliche dieser Entwicklungen stünden "im Gegensatz zu den eigentlichen wirtschaftlichen Chancen der Globalisierung", bedauert Wansleben. Diese lägen in der Vielfalt von Produkten und Dienstleistungen, Standorten, Lieferanten und Kunden. "Globalisierung ist deshalb Teil der Risikostreuung von Volkswirtschaften und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen", betont er.

Und in einer Krise stecken der ohnehin schwächelnden Welthandel und damit die hochinternationalisierte deutsche Wirtschaft. Das gilt nicht nur wegen der konjunkturellen Herausforderungen, vor denen wichtige Exportmärkte aufgrund der Covid-19-Pandemie stehen. Gleichzeitig bröckeln auch staatliche Allianzen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit; die Rufe nach wirtschaftlicher Abschottung werden lauter.

Deutschland profitiert mit hohen Milliardenbeträgen vom Welthandel

Doch der Rückzug ins Nationale sei keine Lösung, mahnt der DIHK. Vielmehr müsse sich jetzt insbesondere die EU beherzt für die globale Arbeitsteilung und regelbasierten Handel einsetzen.

Es steht viel auf dem Spiel: Die Europäische Union und die Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation WTO verschaffen Deutschland jährlich Einkommensgewinne von 86 Milliarden Euro beziehungsweise 66 Milliarden US-Dollar. Nach einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Kiel würde die Umkehr von EU-Integrationsschritten das deutsche Bruttoinlandsprodukt um bis zu 3,9 Prozent pro Jahr schmälern.

Aus der Krise führt Fairness, nicht Protektionismus

Damit die hiesige Wirtschaft weiterhin so stark von der internationalen Vernetzung profitieren und ihre Resilienz verbessern kann, sind laut Wansleben "noch bessere Spielregeln der Zusammenarbeit" erforderlich. "Deshalb ist es wichtig, die Welthandelsorganisation WTO zu stärken", nennt er einen der zahlreichen Vorschläge aus dem Papier "Die Globalisierung nach Corona".

Für die deutschen und auch die europäischen Unternehmen komme es nun darauf an, die Märkte wieder zu öffnen. "Faire und gleiche Bedingungen, also ein internationales Level Playing Field, sind ebenso wichtige Schritte aus der Krise – und nicht Protektionismus", so der DIHK-Hauptgeschäftsführer.

Handelsabkommen schließen, guten Rahmen setzen

Nach Auffassung der Wirtschaft sollte die EU daher die Diversifizierung der Handelsbeziehungen vorantreiben. Entsprechend wichtig seien die europäischen Handelsverträge etwa mit dem Mercosur, aber auch mit Vietnam und Japan, betont Wansleben; auch das Abkommen mit Kanada solle aus Sicht der Unternehmen endlich abschließend ratifiziert werden.

Weitere Ansatzpunkte aus dem Impulspapier betreffen ordnungspolitische Aspekte – etwa beim Thema Reshoring. "Änderungen von Lieferketten, inklusive der Rückverlagerung von Produktion, gehören zum unternehmerischen Alltag – erst recht in der Krise", stellt der DIHK-Hauptgeschäftsführer dazu klar. "Die Rolle des Staats ist es, Vielfalt möglich zu machen und individuelle unternehmerische Entscheidungen zu unterstützen."

Das DIHK-Impulspapier “Die Globalisierung nach Corona” finden Sie hier.

(Quelle: IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, DIHK)