So war es: Afrikaforum Bayern 2022

Afrika: ein Kontinent der Zukunft und Chancen. Man muss sie mit unternehmerischen Mut ergreifen. Kooperationen mit der Entwicklungszusammenarbeit und die panafrikanische Freihandelszone unterstützen dabei. Schlaglichter vom Afrikaforum Bayern, das am 17. und 18. Oktober im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses und im Haus der IHK Schwaben stattfand.

„Wir wollen nicht über Afrika, sondern mit Afrika sprechen“, stellte Melanie Huml, Bayerns Staatsministerin für Europaangelegenheiten und Internationales in ihrer Eröffnungsrede im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses klar. Sie warb damit zugleich für das Afrikapaket der Bayerischen Staatsregierung. Bayerische Unternehmen seien im südlichen Nachbarkontinent mit bedeutenden Investitionen präsent, so die Staatsministerin, aber die Beziehungen seien keine Einbahnstraße. So könne Afrika die bayerische und deutsche Wirtschaft mit grünem Wasserstoff unterstützen.

Rohstoffe und Bodenschätze als Reichtum Afrikas: ihre Wertschöpfung bleibe jedoch nicht in den Herkunftsländern, mahnte im Haus der IHK Schwaben ihr Präsident Dr. Andreas Kopton in seiner Eröffnungsrede am zweiten Konferenztag. Zugleich erinnerte er an die Disparitäten zwischen Afrika und Bayern resp. Deutschland. 2021 betrug das Handelsvolumen Bayerns mit Afrika sieben Milliarden Euro während es sich mit China auf 40 Milliarden Euro belief. Und: in Afrika sind 85 Prozent der Bevölkerung unter 25 Jahre alt, in Deutschland macht diese Altersgruppe 24 Prozent aus. Aber „wo Herausforderungen sind, sind Chancen“, machte der IHK-Präsident Mut.

Überwiegend junge Bevölkerung

Mit statt über Afrika zu sprechen: das würdigte Albert M. Muchanga im Goldenen Saal des Rathauses. Der Kommissar der Afrikanischen Union (AU) für wirtschaftliche Entwicklung, Handel, Tourismus, Industrie und Bodenschätze, nannte Deutschland einen strategischen Partner Afrikas, der für starke kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) sowie für das Modell der beruflichen Bildung stehe. Er lud bayerische Unternehmen ein, das „Made in Africa“ zu entwickeln. Mit Blick auf die junge Bevölkerung des Kontinents mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren bestehen insbesondere für KMUs riesige Chancen. Wenn dabei der AU-Kommissar die hohe Jugendarbeitslosigkeit erwähnte, könnte man sie auch als Potenzial zur Entwicklung Afrikas verstehen.

Zwei Zugangswege zum Wirtschaftsstandort Afrika und seinen Märkten standen besonders im Zentrum des Forums: die Kooperation zwischen Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit und zum anderen die Chancen durch die panafrikanischen Freihandelszone (AfCFTA), jeweils mit besonderem Blick auf den Mittelstand.

Beim Marktzugang, so Prof. Dr. Rolf Steltemeier, sei zunächst die Unterschiedlichkeit der 54 verschiedenen afrikanischen Staaten zu beachten, Chancen und Risiken, einschließlich der Konkurrenzsituation, entsprechend abzuwägen. Der Leiter des deutschen UNIDO-Büros, der UN-Organisation für industrielle Entwicklung, sieht in der Kooperation zwischen Privatwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit einen idealen Weg. Denn Unternehmer gehen mit ihrem Geld sorgfältiger um, als es staatliche Subventionen vermögen, Unternehmer seien es, die Arbeitsplätze schaffen. Dem Staat auf der anderen Seite obliege es, für good governance und Korruptionsfreiheit zu sorgen, sagte er mit einem Blick auf die diesbezüglichen Probleme einiger afrikanischer Staaten. IHKs und das deutsche AHK-Netzwerk hob er als wesentliche UNIDO-Partner hervor. Ganz im Sinne der UNIDO sieht er die pan-afrikanische Freihandelszone.

Erfolg durch langfristige Strategien

Deren Effekte erläuterte Prof. Dr. Julian Hinz vom Kieler Institut für Weltwirtschaft in einer ausführlichen Studie. 97 Prozent der innerafrikanischen Zölle seien durch das AfCFTA abgeschafft, der innerafrikanische Handel aber durch das Abkommen nicht wesentlich belebt worden. Deutsche Ausfuhren konzentrierten sich auf wenige Länder Afrikas. Im Übrigen sei Europa als führender Handelspartner von Asien überholt worden. Entscheidend, so der Wissenschaftler, sei die Abschaffung nicht-tarifärer Handelshemmnisse. Dies würde nicht nur den afrikanischen Binnenhandel steigern, sondern auch die Importe aus Europa – um 32 Prozent.

Marshallplan mit Afrika, Compact with Afrika, Förderung der dualen Berufsausbildung im Ausland – damit habe die Bundesregierung gute Rahmenbedingungen geschaffen, so der CSU-Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Stefinger, Mitglied des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Die duale Ausbildung, griff Barbara Gerber von Unternehmerseite das Stichwort auf, bedeute eine langfristige Investition. Dieses soziale Engagement zähle zu den Erfolgsgeschichten deutscher Unternehmer, unterstrich die Leiterin der globalen Berufsausbildung der Vilsbiburger Automobilzulieferers Dräxlmaier Group, mit allein acht Standorten in Afrika präsent.

Langfristige Strategien, langjährige und damit solide Kenntnisse des Kontinents, Qualität und Zuverlässigkeit sind die Trümpfe deutscher Unternehmer in Afrika, die sie, bei aller Konkurrenz aus Asien, erfolgreich gemacht haben und weiter erfolgreich machen. So das Fazit von Unternehmern sowie der AHK-Leiter aus Luanda, Accra, Nairobi, Johannesburg, Kairo, Algier, Casablanca und Tunis. Sie identifizierten u.a. Energie (Stichwort: grüner Wasserstoff), IT, Infrastrukturprojekte, Lebensmittelindustrie und Landwirtschaft als lohnende Branchen. So bezieht das Unternehmen Rapunzel Naturkost 13,8 Prozent seiner Rohwaren aus Afrika. Mono-Ökonomien wie Algerien und Angola setzen auf Diversifizierung, weg von Öl und Gas, z.B. Richtung Landwirtschaft. Entwickelte Länder wie Marokko wandeln sich von Agrar- zu Industrieökonomien. Afrika - ein Kontinent der Chancen und der Zukunft. Matthias Boddenberg, Geschäftsführer der AHK südliches Afrika in Johannesburg, sagte es so: „Heute braucht Afrika Deutschland, morgen braucht Deutschland Afrika.“ (R. Schubert)

Sehen Sie sich in der Bildergalerie die besten Momente der Veranstaltung an:

Afrikaforum Bayern am 17. und 18. Oktober 2022 in Augsburg - IHK Schwaben