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Im Gespräch: Klein, aber fein: Der Markt Uruguay

Uruguay wird oft als die Schweiz Lateinamerikas bezeichnet und hat mehr zu bieten als Rindfleisch und guten Fußball. Was genau, wollte das Außenwirtschaftsportal von Mischa Groh, Chef der Deutsch-Uruguayischen Industrie- und Handelskammer (AHK), wissen.

Uruguay wird oft als Vorzeigemarkt Lateinamerikas bezeichnet? Warum? Welches sind die Vorteile für Investitionen?

Mit seinen rund 3,5 Mio. Einwohner zählt Uruguay zu den kleineren Märkten auf dem Kontinent. Durch seine strategische Lage bietet das Land am Rio de la Plata aber Zugang zu mehr als 450 Mio. Konsumenten im Mercosur, dem gemeinsamen Markt im südlichen Lateinamerika. Diese strategische Lage bietet deutschen Unternehmen die Möglichkeit in einem relativ sicheren wirtschaftspolitischen Umfeld und einer kulturell an europäischen Werten und Gewohnheiten ausgerichteten Bevölkerung ihre Produkte und Services zu testen und damit den Markteintritt in Südamerika anzugehen. Dabei nutzen zahlreiche deutsche Unternehmen den Standort als Gateway, regionales Hub bzw. Distributionszentrum, um die Geschäftsaktivitäten auf andere Länder auszuweiten bzw. zu managen.
Uruguay hat aber mehr zu bieten als nur Premium-Rindfleisch und eine lange Fußballtradition. Hohe politische und wirtschaftliche Stabilität, Rechtssicherheit, ein einheitliches Steuersystem, freier Devisenmarkt, geringe Korruption, geringe Kriminalität, gut ausgebildete Fachkräfte, hohe Lebensqualität, freier Devisenverkehr, eine moderne und gut ausgebaute Infrastruktur, gezielte Investitionsförderprogramme und ein liquides Bankensystem mit geringem Kreditrisiko sind nur einige der Attribute, die das Land attraktiv für internationale Investoren machen. Dank der staatlichen Investitionsförderungsstrategie und der zuverlässigen wirtschaftspolitischen Lage ist Uruguay in den letzten zehn Jahren durchschnittlich um über 4 Prozent gewachsen und hat in den letzten 12 Jahren im Durchschnitt jährlich rund 5 Prozent seines gesamten Bruttoinlandprodukts an ausländischen Direktinvestitionen ins Land geholt. Damit positioniert sich die sog. Schweiz Lateinamerikas als der zweitgrößte Empfänger von Direktinvestitionen in der Region und als Vorreiter in Reinvestitionen. Das spiegelt das große Vertrauen der internationalen Business Comunity wider.
Deutsche Unternehmer profitieren insbesondere vom deutsch-uruguayischen Doppelbesteuerungs- und Sozialversicherungsabkommen sowie durch das bestehende Investitionsförderungsschutzabkommen. Darüber hinaus sieht das Investitionsförderungsgesetz steuerliche Anreize u. a. auf Investitionen in die ausgewiesenen Freihandelszonen, im Freihafen- (dem einzigen der Region) und freien Flughafen sowie in den Industrieparks vor. Dabei bestehen keine Grenzen für die Rückstellung ausländischen Kapitals in Unternehmen, keine lokalen Gegenwertforderungen und ebenso wenig Beschränkungen für die Rückführung von Gewinnen.

Wie viele deutsche Unternehmen sind dort schon aktiv?

Die Ursprünge deutscher Investitionen in Uruguay gehen auf das 19. Jahrhundert zurück. Im April 1863 gründeten deutsche Unternehmer um den Wissenschaftler Justus von Liebig die „Fray Bentos Giebert & Co.“, die erfolgreich Fleischextrakt als Fertigprodukt für den europäischen Markt produzierte. Derzeit ist Deutschland der wichtigste europäische Handelspartner Uruguays und einer der Hauptquellen ausländischer Direktinvestitionen. Rund 40 deutsche Unternehmen sind in Uruguay in verschiedenen Geschäftsfeldern wie zum Beispiel der chemischen und pharmazeutischen Industrie, Transport und Logistik, sowie Maschinen, Energie, Telekommunikation und Landwirtschaft aktiv. Investitionsschwerpunkte deutscher Unternehmen waren in den letzten Jahren die Chemie - und Pharmaindustrie, der Transport - und Logistiksektor sowie die erneuerbare Energien.

Welche Branchen der Wirtschaft Uruguays sind für bayerische KMU generell interessant?

Das Label „Made in Germany“ genießt ein hohes Ansehen im Land. Qualität und Nachhaltigkeit wird seitens der Kunden sehr geschätzt. Uruguay importiert v.a. Maschinen, Arzneimittel, Reinigungsmittel/Kosmetik, Kfz und -Teile, Elektrotechnik sowie Mess- und Regeltechnik. Marktchancen ergeben sich u. a. im Bereich Dienstleistungen - insbesondere Finanzendienstleistungen -, Logistik, Infrastruktur sowie erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Eine große Mittelschicht sowie das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Lateinamerika zeigen auch Potenziale für den Konsum von Produkten und Services aus Deutschland auf. Aufgrund des hohen Kostendrucks in der Agroindustrie, die über 70% der Exporte Uruguays ausmacht, ergeben sich auch Marktchancen im Bereich der Automatisierung mit dem Ziel die Produktion zu steigern und Kosten zu senken. Auf Grund seiner Größe und Struktur sowie der Relevanz des Tourismus – über 4 Mio. jährlich – ist Uruguay auch ein gutes Schaufenster für die Erprobung neuer Ideen und Technologien. Ein Beispiel ist die flächendeckende Breitbandinfrastruktur oder die gelungene Energiewende.

Welcher Sektor ist der wichtigste Wachstumsmotor?

Steuervergünstigungen sind ein wichtiger Teil des Förderregimes, aber wettbewerbsfähige Kosten und Talente mit angemessenen Qualifikationen stehen ebenfalls im Vordergrund. Dies machte in den letzten Jahren die Diversifizierung der uruguayischen Exporte möglich, zum Beispiel durch die Entwicklung von Produkten bzw. Services mit hohem Mehrwert. Zu nennen sind hier beispielsweise der Shared Service Center von BASF oder der von MERCK, welcher erst dieses Jahr eröffnet wurde. Im ersten Fall wird vom Standort Montevideo mit über 450 Mitarbeitern die komplette Buchhaltung sowie Finanz- und Marketingdienstleistungen für alle Firmenstandorte in Nord- und Südamerika abgewickelt. Aber auch KMUs schätzen das Land. Das deutsche Familienunternehmen BADER ist seit fast 20 Jahren in Uruguay und entwickelt sein Geschäft mit Gerbstoffen. Heute exportiert es hauptsächlich nach Europa, Mexiko und in den regionalen Markt. Im Laufe der Jahre hat BADER die Wertschöpfung aus dem qualitativ hochwertigen uruguayischen Rohstoff gesteigert und vertreibt heute premium Produkte für die Automobilindustrie – u.a. die Herstellung von Abdeckungen und Teilen für Fahrzeugsitze. Der Anteil des Dienstleistungssektors am uruguayischen BIP liegt aktuell bei rund 65%. Nichtsdestotrotz ist die Agroindustrie nach wie vor einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren des Landes. Mit seinen 3,5 Mio. Einwohnern und einer Fläche die halb so groß ist wie Deutschland, werden gegenwärtig Lebensmittel für 28 Mio. Menschen produziert bei einem Potenzial diese auf 50 Mio. auszuweiten. In der Herstellung von chemischen Substanzen, Gummi- und Kunststoffprodukten, der Verarbeitung von Lebensmitteln, Getränken und Tabak sowie der Herstellung von Grundmetallen sieht die AHK Uruguay Potenzial für lokale Betriebe, den Absatz nach Deutschland zu steigern.

Was muss ein Unternehmer beim Markteintritt in Uruguay beachten? Gibt es Stolperfallen?

Wir raten den Unternehmen, sich im Vorfeld ausreichend zu informieren sowie einen Besuch vor Ort einzuplanen, um potenzielle Kunden oder Partner kennenzulernen und somit interkulturellen Missverständnissen vorzubeugen. In speziellen Fragestellungen sollte ein Rechtsanwalt oder Steuerberater hinzugezogen werden. Die AHK steht diesen als erster Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung. Darüber hinaus sollte beachtet werden, dass bürokratische Hürden, zum Teil monopolistische Strukturen sowie der traditionell starke Einfluss der Gewerkschaften sich hemmend auf die Produktivität auswirken.

Informationen zur AHK Uruguay:

Die AHK Uruguay, Mitglied des weltweiten Netzwerkes der deutschen Auslandshandelskammern, ist die mit Abstand mitgliederstärkste und bedeutendste binationale Handelskammer in Uruguay und verfügt über ein Netzwerk zu Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft. Die AHK Uruguay schaut auf über 100 erfolgreiche Jahre zurück, in denen sie sich als erste Anlaufstelle und zuverlässiger Partner für deutsche und uruguayische Unternehmen erwiesen hat.