Namibia bietet mehr als Wüste und Safari – überzeugen Sie sich selbst

München (Mai 2020) – Christina Pfandl ist Beraterin für Entwicklungszusammenarbeit bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Im Interview spricht sie über Geschäftsmöglichkeiten in Namibia, wo sie seit 2019 die Arbeit des Business & Cooperation Desk des Global Business Network Programms der GIZ koordiniert. Das Gespräch führte Oliver Wagener, Berater für Entwicklungszusammenarbeit/ bayerischer EZ-Scout der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Namibia ist vielen als Reiseziel im südlichen Afrika bekannt und gerade bei deutschen Urlaubern sehr beliebt. Der Tourismus ist in Namibia aufgrund der aktuellen Situation und des Ausbruchs von Corona derzeit leider lahmgelegt. Wie ist die Situation vor Ort?

Aufgrund der Coronapandemie ist der Tourismussektor in Namibia derzeit tatsächlich sehr schwer betroffen. Reisende aus dem Ausland aber auch namibische Touristen bleiben aus, Namibia ist seit Ende März im Lock-Down. Dieser wurde aktuell bis zum 5. Mai verlängert. Insgesamt gab es 16 positive getestete Personen in Namibia – diese kamen größtenteils aus dem Ausland. Der namibische Staat hat schnell mit Schulschließungen und einem State of Emergency reagiert. Dieser wurde letztlich in einen Lock-Down mit Ausgangs- und auch Reisebeschränkungen im Land. Viele Wirtschaftssektoren sind von den Maßnahmen betroffen und die Folgen für die Wirtschaft aktuell noch nicht final absehbar. Die Versorgungslage im Land ist allerdings weiterhin gut. Viele Sektoren hoffen auf eine baldige Lockerung der Maßnahmen – solange der Flugverkehr allerdings eingestellt ist, ist für den Tourismussektor keine Besserung in Sicht.

Nun zu Ihnen und Ihrer Arbeit vor Ort. Was genau macht das Global Business Network (GBN) Programm?

Das Global Business Network (GBN) Programm wird seit 2017 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert und seit April 2019 in Namibia umgesetzt. Ziel des Programms ist es, die Zusammenarbeit zwischen lokalen und deutschen sowie europäischen Unternehmen zu fördern und der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zu stärken und neue Kooperationsansätze zu schaffen. Ich arbeite hier eng mit der Deutsche Auslandshandelskammer für das Südliche Afrika (AHK Südliches Afrika) zusammen, die für die Region zuständig ist. Das Business & Cooperation Desk Namibia ist Windhoek im Handelsministerium angesiedelt und eng mit relevanten Akteuren und Unternehmen in Namibia vernetzt. Auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist in Namibia tief verwurzelt – seit 1994 ist sie in Namibia tätig. Auf diesen Erfahrungen und Beziehungen bauen wir auf.

Was bietet das Business & Cooperation Desk Namibia Unternehmen?

Hier muss man zwischen lokalen Firmen sowie deutschen und europäischen Unternehmen unterscheiden. Für die hiesige Wirtschaft bieten wir Veranstaltungen zur Vernetzung an und informieren über Förder- und Kooperationsmöglichkeiten, die sich ihnen von Seiten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit bieten. Zudem stellen wir ein Sprachrohr nach Deutschland dar und unterstützen weitere GIZ-Projekte etwa bei Messeauftritten und der Kontaktanbahnung mit europäischen Firmen oder Verbänden.

Für europäische Firmen – und somit auch für alle bayerischen Firmen – beraten und informieren über interessante Sektoren in unsere Sektorbriefs, die auch online zugänglich sind und bauen Brücken, etwa zur GIZ vor Ort oder auch zu relevanten Verbänden und Firmen. Auch für sie gibt es zahlreiche Möglichkeiten den Schritt nach Namibia durch eine Förderung, sei es über das develoPPP.de-Programm oder die Möglichkeit einer Finanzierung über AfricaConnect oder über die DEG - Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH. Als gebürtige Bayerin stehe ich – zusammen mit meinem EZ-Scout-Kollegen Oliver Wagener beim Außenwirtschaftszentrum Bayern – hier natürlich auch bayerischen Unternehmen künftig gerne zur Seite.

Welche Möglichkeiten haben Unternehmen in Namibia und mit welchen Herausforderungen müssen Sie rechnen?

Namibia ist eine stabile Demokratie und die Rahmenbedingungen sind verlässlich. Die Währung, der Namibische Dollar, ist an den Südafrikanischen Rand gebunden und es bestehen enge Verbindung nach Südafrika und in die gesamte SADC-Region. Der Südafrikanische Rand hat zuletzt wieder stark an Wert verloren, dies macht Importe aus Namibia sowie Investitionen vor Ort verhältnismäßig günstig – auch im Vergleich zu den letzten Jahren.

Durch den ausgebauten Tiefseehafen in Walvis Bay kann Namibia sich als Logistikstandort positionieren und einen Zugang ins gesamte südliche Afrika – über ein gut ausgebautes Straßennetz und die Schiene liefern. Dieser soll in den kommenden Jahren – auch durch den geplanten Ausbau des Schienennetzes – weiter verbessert werden. Dies ist von besonderem Interesse, da Namibia selbst mit ca. 2,5 Millionen Einwohnern ein kleiner Markt ist und die Distanzen im Land teils sehr groß sind. Betrachtet man die gesamte SADC-Region mit 345 Millionen Einwohnern, so zeigt sich ein großer Markt. Hier muss aber natürlich auch die Kaufkraft in den jeweiligen Ländern im Auge behalten.

Nach einem Wirtschaftswachstum von über 6% bis 2015 verzeichnet Namibia seither eher geringere und zuletzt negative Wachstumsraten. Investitionsnachteile ergeben sich bisher vor allem aus den vergleichbar hohen Energiekosten. Als weiteres Hemmnis gilt zudem der Zugang zu qualifiziertem Personal. Dafür lassen sich einige Geschäfte auch in deutscher Sprache abwickeln, da deutsch im Geschäftsumfeld immer wieder auch präsent ist.

Das Thema Sourcing gewinnt im südlichen Afrika an Bedeutung – wie ist das im namibischen Kontext einzuordnen?

Das ist richtig, auch die AHK Südliches Afrika baut derzeit einen Sourcing Desk auf, der von Seiten der Entwicklungszusammenarbeit durch eine ExperTS-Fachkraft unterstützt wird. Diese soll im Herbst 2020 starten und das gesamte südliche Afrika abdecken. Als GBN werden wir im Mai mehrere Sektorinformationen zu Potentialen von Wildfleisch, Kosmetik und Fisch veröffentlichen und laden interessierte Firmen Mitte Juni zu einem Online-Einkäuferevent ein. Auch hier unterstützt die AHK Südliches Afrika bei der Umsetzung. Weitere Produkte die sich etwa aus Namibia sourcen lassen sind Holzkohle, Buschbiomasse, Rindfleisch, natürliche Rohstoffe wie Marulaöl, Moringa oder auch Teufelskralle, das etwa in Rheumamedikamenten Anwendung findet. Einige der Produkte sind auch in Bioqualität zu beziehen. Daneben bietet auch der Kunsthandwerksbereich eine Vielzahl an Produkte, so etwa Halbedelsteine und Schmuck daraus oder auch Produkte aus Leder oder Swakarawolle.