Starke Partnerschaft mit der Slowakei - die Bayern-Repräsentanz in Bratislava

Bratislava (Oktober/November 2021) - Peter Kompalla ist seit September 2018 Geschäftsführer der Deutsch-Slowakischen Industrie- und Handelskammer (AHK Slowakei) in Bratislava und seit kurzem auch offizieller Bayern-Repräsentant. Nach einigen Jahren als Außenwirtschaftsreferent bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken war er bei deutschen Auslandshandelskammern tätig: als stellvertretender Delegierter der AHK Vietnam und als Leiter der AHK Philippinen in Manila. Über seine Aufgaben als Bayern-Repräsentant sprach er mit Karoline Rübsam von weltweit-erfolgreich.

Von Franken/Nürnberg nach Asien/Vietnam bis zurück nach Osteuropa, wo Sie bereits seit 2018 Geschäftsführer der AHK sind. Einmal im Zickzack um den Globus oder doch wieder mittelfristig zurück Richtung Deutschland?

In der Tat hat für mich persönlich alles im Freistaat Bayern angefangen, wo ich bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken einen ähnlich großen Länderbereich verantwortete. Meine anschließenden sieben Jahre in Asien, wo ich an den Standorten Hanoi und Manila für das deutsche AHK-Netz tätig war, haben mir gezeigt, wie vielschichtig das Engagement deutscher Unternehmen selbst am anderen Ende des Globus ausfällt. Trotzdem habe ich in der Slowakei nochmal ein anderes Niveau erleben können. Es ist unglaublich, wie stark die wirtschaftliche Partnerschaft mit Deutschland in allen möglichen Bereichen zu spüren ist. Entsprechend freue ich mich jeden Tag über das dynamische Umfeld meiner Arbeit und fühle mich auch privat sehr wohl in der Slowakei.

Welches genau sind Ihre Aufgaben als bayerischer Repräsentant?

Die Slowakei ist ein spannender Standort, der in verschiedensten Branchen Marktpotenziale für die bayerische Wirtschaft bietet. Wir begleiten Unternehmen aus Bayern auf ihrem Weg in den Exportmarkt Slowakei. Wir beraten zu den individuellen Absatzchancen und vermitteln Kontakte, die für den Auf- und Ausbau von Vertriebsstrukturen im Land notwendig sind. Als bayerische Repräsentanz haben wir aber auch die umgekehrte Richtung im Blick. Wir rühren vor Ort die Werbetrommel für den High-Tech-Standort Bayern und betreuen Investoren, die im Freistaat Fuß fassen möchten.

Wie sind die Marktbedingungen in der Slowakei, welche Hürden gibt es? Probleme wie etwa Korruption sind noch nicht ausgemerzt, heißt es...?

Die Marktbedingungen sind hervorragend. Die geografische Nähe zu Bayern ist viel größer als man häufig annimmt. So sind es von der Hauptstadt Bratislava nach München nur fünf Stunden auf der Autobahn. Währung ist der Euro, was vieles im Geschäftsleben einfacher macht. Obwohl sich das Preisniveau in den letzten Jahren immer mehr an den EU-Durchschnitt angenähert hat, bleibt der Kostenvorteil im Vergleich zu Bayern ein nicht zu verachtender Faktor. Bei den Arbeitskosten beträgt das Verhältnis rund 1:4. Trotzdem sind die slowakischen Arbeitnehmer sehr leistungsbereit und erbringen eine im regionalen Vergleich überdurchschnittliche Produktivität. Wenn man sie denn findet, und da wären wir bei den Problemen angelangt. In vielen Branchen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte, was den Druck auf das Lohnniveau erhöht. Auch Nachwuchssorgen beschäftigen die Unternehmen, da sich zu wenig junge Menschen für eine duale Berufsausbildung entscheiden. Die Korruptionsbekämpfung dagegen ist seit dem Regierungswechsel im vergangenen Jahr auf einem guten Weg.

Was sollte ein bayerisches Unternehmen bewegen, die Slowakei als Markt zu erobern?

Die Slowakei hat sich wirtschaftlich schnell von dem Corona-Schock erholt und wird 2022 zu den am schnellsten wachsenden Märkten Mittel- und Osteuropas gehören. Die Slowakei gehört zu den am stärksten industrialisierten Ländern Europas und viele Branchen befinden sich im Aufwind. Wirtschaftlicher Treiber ist seit jeher der Außenhandel, das Import- und Exportvolumen beläuft sich auf gut 160% des Bruttoinlandsprodukts. Noch dazu gehört Bayern für sich gerechnet bereits zu den zehn wichtigsten Handelspartnern der Slowakei. Außerdem genießt Deutschland einen hohen Ruf in der Slowakei, die Marke „Made in Germany“ gilt als Siegel für Kompetenz und Qualität. Entsprechend groß ist das Interesse slowakischer Firmen, mit Unternehmen aus Deutschland und insbesondere aus Bayern als wirtschaftlich stärkstem Bundesland zusammenzuarbeiten.

Wie viele Unternehmen aus Deutschland, wie viele aus Bayern sind dort vertreten?

In der Slowakei sind mehr als 600 mit deutscher Beteiligung tätig, die insgesamt 137.000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Anzahl der Firmen aus Bayern liegt bei etwa 120. Das Engagement bayerischer Betriebe im Land ist breit gefächert und deckt sowohl vielfältige Industriebereiche wie auch Handel und Dienstleistungen ab. Neben den großen Namen haben auch zahlreiche Hidden Champions aus dem Freistaat den slowakischen Markt für sich erschlossen.

 

Welche Branchen sind dort viel versprechend?

Der Konjunkturmotor Automobilindustrie erweist sich trotz der globalen Lieferengpässe als erstaunlich robust. Der Volkswagen-Konzern und zahlreiche Automobilzulieferer werden in den kommenden Jahren mindestens eine Milliarde Euro in den Standort investieren. Darüber hinaus siedeln immer mehr Kfz-Zulieferer Entwicklungstätigkeiten vor Ort an. Außerdem fließen mehr als 6 Mrd. Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds, die das Land für Investitionen in den grünen und digitalen Wandel nutzen wird. Konkret geht es etwa um die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz, den Ausbau alternativer Fahrzeugantriebe, die Vernetzung und Automatisierung der Produktion sowie die Digitalisierung des öffentlichen Sektors einschließlich des Gesundheitswesens. Die dafür notwendigen Technologielösungen bezieht die Slowakei überwiegend aus dem Ausland. Für bayerische Anbieter von Energie- und Umwelttechnik sowie IKT ergeben sich damit vielschichtige Geschäftschancen.