Trotz Pandemie lohnt sich der US-Markteinstieg

Michaela Schobert ist als Direktorin der Deutsch-Amerikanische Handelskammer USA-Süd tätig. Sie leitet dort den Bereich U.S.. Market Entry Services und weiß um die aktuellen Herausforderungen beim US-Markteintritt.

Unter der Trump-Regierung galt die amerikanische Außenwirtschaft als sehr unsicher und unbeständig. Was hat sich mit der Präsidentschaft von Joe Biden geändert?

Im März 2021 veröffentlichte die Biden Administration die Ausarbeitung einer umfassenden Agenda zur Handelspolitik für das Jahr 2021. Durch bilaterales und multilaterales Engagement und die verstärkte Annäherung an Verbündete strebt die Regierung Bidens insbesondere danach, einen Konsens über eine Handelspolitik zu erzielen, die die Klimakrise angeht, nachhaltige Lieferketten für erneuerbare Energien unterstützt und gleiche Wettbewerbsbedingungen schafft.

Ein Beispiel für die zunehmende Wiederannäherung an Bündnispartner seitens der Biden Administration ist die Beilegung des Streits über Subventionen für Boeing und Airbus. Präsident Biden und die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union erzielten am 15. Juni 2021 eine Einigung, die den 17 Jahre alten Handelsstreit über Subventionen für Flugzeughersteller beilegt. Dies ist ein bedeutender Schritt zur Verbesserung der Handelsbeziehungen zwischen der EU und USA.

Trotz der Betonung des freien Handels und der Stärkung strategischer Partnerschaften sieht die Handelsagenda der Biden-Regierung zugleich den Schutz und die Stärkung der Binnenwirtschaft vor, die durch die globale Pandemie hart getroffen wurde.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass Präsident Joe Biden in seiner Handelspolitik einen deutlich multilateralen Ansatz verfolgt als sein Vorgänger Donald Trump. Eine Annäherung an die Bündnispartner lässt sich eindeutig erkennen. Jedoch beinhaltet die Handelsagenda auch einige Aspekte, die in der internationalen Handelspolitik des demokratischen Präsidenten protektionistische Anteile zum Schutz der heimischen Industrie erkennen lässt.

Zuletzt wurde über ein enormes Konjunkturpaket gesprochen: Was tut sich in den nächsten Monaten wirtschaftspolitisch in den USA?

Präsident Biden hat sich für seine Amtszeit ambitionierte Ziele gesetzt, um die USA insgesamt wettbewerbsfähiger zu machen und die heimische Wirtschaft darin zu unterstützen, sich von den Folgen der globalen Pandemie zu erholen. Im Mai 2021 stellte Biden einen umfassenden Haushaltsplan vor, der Investitionen in Höhe von sechs Milliarden US-Dollar vorsieht, um eine umfassende Wirtschaftsagenda zu finanzieren, die neue Investitionen in Infrastruktur, Bildung und den Kampf gegen den Klimawandel und die COVID-19 Pandemie vorsieht.

Insbesondere Ausgaben zur Verbesserung der Infrastruktur des Landes, zum Klimaschutz sowie zur Ausweitung des sozialen Sicherheitsnetzes werden priorisiert. Dazu gehören Gelder für Straßen, Wasserleitungen, Breitband- Internet, Ladestationen für Elektrofahrzeuge und fortschrittliche Produktionsforschung.

Ein Durchbruch zeichnete sich am Dienstag, den 10. August 2021 ab. Der US-Senat verabschiedete ein historisches, umfassendes Paket in Höhe von 1,2 Billionen US-Dollar, mit dem die alternde Infrastruktur des Landes gestärkt werden soll, indem vorrangige Bereiche wie Straßen, Brücken, Schienenverkehr und das Stromnetz finanziert werden. Bidens Plan zielt darauf ab, die Produktivität durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und den Ausbau von Verkehrs- und Kommunikationssystemen sowie Stromleitungen zu steigern. Dazu will er auch Kapital in unterversorgte Gebiete lenken, in denen die Menschen unter schlechten öffentlichen Verkehrsmitteln und fehlendem Internetzugang leiden.

Die Abstimmung zugunsten des Konjunkturpakets kann als Erfolg für Präsident Biden gewertet werden, der damit wichtige Punkte seiner Agenda erfüllt, darunter auch sein Versprechen, über Parteigrenzen hinweg Kompromisse zu erzielen. Das Paket, das noch vom Repräsentantenhaus genehmigt werden muss, wäre ein historischer Einschnitt in die Bundesausgaben nach jahrelangen gescheiterten Versuchen, erneut in die alternde Infrastruktur des Landes zu investieren.

Wirtschaftspolitisch stehen in den USA derzeit die Zeichen eindeutig auf Investition in Schlüsselindustrien und die Revitalisierung der Wirtschaft.

Die Corona-Pandemie ist auch 2021 immer noch das große Thema: Lohnt es sich wirklich ausgerechnet jetzt für bayerische Unternehmen den Auslandsgang in die USA zu wagen?

Trotz der Corona-Pandemie zeigen die oben genannten Entwicklungen insgesamt eine positive Entwicklung der US-amerikanischen Wirtschaft. Nach einem Einbruch von +2.6 Prozent im Jahr 2019 auf -3.5 Prozent wird für 2021 ein Wachstum des realen BIP auf rund +6.4 Prozent zum Vorjahr prognostiziert.

Die USA bietet deutschen Unternehmen im Allgemeinen sehr gute Geschäftschancen. Auch in Zeiten der Corona- Pandemie bleiben die USA für deutsche Unternehmen einer der profitabelsten und wichtigsten Märkte. Die weltgrößte Volkswirtschaft verfügt trotz der Krise über einen riesigen Binnenmarkt mit hoher Kaufkraft, ein stabiles Investitionsumfeld und für viele Produkte einen niederschwelligen Marktzugang. Dies bestätigt auch der German American Business Outlook 2021, die jährliche Umfrage der KPMG AG und der Deutsch- Amerikanischen Handelskammern zu den Geschäftserwartungen deutscher Unternehmen in den USA.

Mit hohen Investitionen der Biden-Administration in die US-Wirtschaft mit Fokus auf erneuerbare Energien, in Infrastruktur, Bildung und den Kampf gegen den Klimawandel und die COVID-19 Pandemie sowie internationale Lieferketten ist insgesamt eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Dies birgt in der Regel auch für deutsche Unternehmen aus genannten Sektoren Chancen und Absatzpotenzial.

Sie organisieren die Webinarreihe „Erfolgreich auf dem US-Markt“ mit. Wer sollte das Webinar nicht verpassen und was kann man aus der Inforeihe lernen?

Die Webinarreihe richtet sich an kleine und mittelständische deutsche Unternehmen, die den Markteinstieg oder die Expansion auf dem US-Markt systematisch und strukturiert angehen möchten. Der Fokus liegt auf Themen wie Firmengründung, Vertriebsstrukturen, Produkthaftung, Arbeitsrecht, Entsendung und Steuerrecht. Auch werden im Rahmen der Webinarreihe 30-minütige Beratungsgespräche mit Vertretern der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern angeboten. Die Webinarreihe bietet somit interessierten Firmen die Möglichkeit, Informationen über den US-Markt, Markteintritts- und Expansionsstrategien aus erster Hand zu erfahren.