Zypern hofft auf Wirtschaftswachstum

Zyperns Wirtschaft schrumpfte im Jahr 2020 coronabedingt um rund 5 Prozent. Die Hoffnung für eine Erholung hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab.

 

Seit letztem Herbst steigen in Zypern die Corona-Fälle rapide an. Immer wieder verschärfte die zyprische Regierung die Maßnahmen und führte landesweit neue Lockdown inklusive Ausgangssperre ein. Seit Anfang Februar 2021 gibt es Lockerungen im Alltag.

Wirtschaftsleistung geht deutlich zurück

Das zyprische Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird 2021 um 3,2 Prozent wachsen, prognostizierte die Europäische Kommission in ihren Wintervorhersagen. Im Vorjahr sank das BIP pandemiebedingt real um 5,1 Prozent, so das zyprische Statistikamt. Die weitere Entwicklung im Land ist stark vom Verlauf der Pandemie abhängig. Anfang Februar führten Lockerungen dazu, dass Einzelhandel und Gastronomie den Betrieb unter strengen Hygienemaßnahmen wieder aufnehmen durften.

Einen Rückgang des BIP musste Zypern zum letzten Mal im Jahr 2014 im Rahmen der großen Wirtschaftskrise hinnehmen. Besonders besorgniserregend sind die Krisenfolgen in der Bauwirtschaft und im Tourismus, die vor der Krise jeweils rund 6 Prozent des BIP erwirtschafteten.

Die Schuldenquote des bereits hoch verschuldeten Landes wird im Jahr 2021 voraussichtlich auf 108,2 Prozent des BIP steigen.

Erholung des Tourismus mit Fragezeichen

Ausländische Gäste dürfen die Insel wieder besuchen. Je nach Einstufung des Gesundheitsrisikos im Herkunftsland seitens des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gelten unterschiedliche Maßnahmen und Voraussetzungen für die Einreise

Die Tourismusbranche gilt als vielversprechend gemäß der Studie „EY Attractiveness Survey“ der multinationalen Beratungsgesellschaft Ernst and Young. Große touristische Projekte, beispielsweise die Marina von Ayia Napa und das Kasino-Resort in Limassol, werden trotz coronabedingter Verzögerungen weitergebaut und sollen Ende 2022 fertiggestellt sein.

Nichtsdestotrotz bestehen Bedenken bezüglich der touristischen Einnahmen, insbesondere im Hinblick auf den anhaltenden Lockdown in wichtigen Herkunftsländern der Reisenden. Im Vereinigten Königreich geht dieser beispielsweise mit einem Ausreiseverbot einher. Die Einnahmen aus dem Tourismus gingen im Jahr 2020 um rund 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Einzelhandel und Außenhandel getroffen von der Coronakrise

Der Einzelhandel verzeichnete 2020 Umsatzeinbußen von 3,4 Prozent. Der Lebensmitteleinzelhandel profitierte jedoch von der Coronakrise: Dort legte der Umsatz um rund 6,5 Prozent zu.

Während die zyprischen Gesamtexporte um 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fielen, stiegen die Exporte von Milchprodukten um knapp 17,5 Prozent. Der Käse Halloumi ist das wichtigste Exportprodukt unter den Lebensmitteln. Auch die Lieferungen von Pharmaprodukten legten um rund 15 Prozent zu. 

Die Coronakrise und der Lockdown wirkten sich negativ auf die Nachfrage nach ausländischen Produkten aus: Die zyprischen Importe gingen im Jahr 2020 um rund 7 Prozent zurück.

Erdölprojekte liegen vorläufig auf Eis

Die Pandemie bremste die Planungen der internationalen Erdölkonzerne Exxon Mobil-Qatar Petroleum, Chevron-Shell-Delek und Eni-Total für die Erdgaserkundung und -förderung in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Zyperns. Diese wurden auf Ende 2021 oder Anfang 2022 verlegt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Nachbarland Türkei darauf besteht, Zypern benötige für Bohrungen in der AWZ die Zustimmung des türkisch-zyprischen Teils. Die geopolitische Lage zwischen der Türkei, Griechenland und Zypern spitzt sich zu.


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